Konstantin Koolen: Vom Volunteer zum Gründer
Konstantin Koolen, Co-Founder von tagtig

Manche Gründungsgeschichten beginnen mit einer zündenden Idee. Bei Konstantin Koolen begann sie als Volunteer. 2021 war er mit 18 Jahren bei der Startup SAFARI FrankfurtRheinMain im Einsatz. Fast alles, was danach kam, lässt sich auf diese eine Woche zurückführen: zweieinhalb Jahre in einem Frankfurter Fintech, ein fester Platz beim größten KI-Event der Region und schließlich die eigene Gründung im Tech-Bereich. Heute baut der Frankfurter mit tagtig an einem Produkt für die Personaldienstleister von morgen.

Ein Sprungbrett namens Startup SAFARI FrankfurtRheinMain

Der Einstieg in die Startup-Welt kam bei Konstantin eher über einen schönen Umweg, als über den klassischen Lebenslauf. 2021 half er eine Woche lang ehrenamtlich bei verschiedenen Programmpunkten der Startup SAFARI FrankfurtRheinMain (powerd by STATION). Rückblickend sein Sprungbrett in die Startup- und Tech-Szene. Statt auf den richtigen Moment zu warten, ging er offen auf andere zu, brachte sich ein und nutzte jede Gelegenheit zum Netzwerken. So erhielt er spannende Einblicke in das regionale Startup-Ökosystem.

„Man muss nicht auf die perfekte Gelegenheit warten, anzufangen ist der wichtigste Schritt – manchmal reicht es, einfach dabei zu sein“

sagt er heute. Was in dieser Woche an Kontakten entstand, sollte seinen weiteren Weg über Jahre hinweg beeinflussen und zeigt, wie eng die Rhein-Main-Szene tatsächlich vernetzt ist.

Zwei Begegnungen, die den Weg ebneten

Gleich zwei prägende Stationen gehen auf die SAFARI zurück. Bei einem der Events lernte Konstantin Niklas Marx kennen, damals Partner Manager bei portagon – einem VC-finanzierten Frankfurter Fintech, das auch STATION bereits vorgestellt hat. Aus dem Kontakt wurde ein Werkstudentenjob, der ihn zweieinhalb Jahre begleitete. Unter Moritz Neppe, Dennis Hübert und Johannes Laub lernte er dort, wie ein Startup von innen funktioniert: Finanzierung, Operations, Strategie. Und er wusste bald, dass er das irgendwann selbst machen wollte.

„Konstantin ist als Werkstudent zu uns gekommen und hat sich sehr schnell Themen selbst gesucht, statt auf Aufgaben zu warten. Genau diese Haltung braucht man, wenn man selbst gründet – insofern hat mich der Schritt nicht überrascht“, sagt Johannes Laub, Mitgründer von portagon.

Parallel half Konstantin an einem der SAFARI-Tage bei statworx aus. Dort traf er Marcel Isbert und Sebastian Heinz, die schon damals an der Spitze der KI-Entwicklung in der Region unterwegs waren. Aus dieser Begegnung entstand eine Verbindung, die bis heute hält.

„Schon bei unserer ersten Begegnung war klar, wie sehr Konstantin für Technologie brennt. Solche Leute wollen wir im Netzwerk halten“, sagt Marcel Isbert, Gründer des AI HUB Frankfurt.

Ein Netzwerk, das trägt

Wie tragfähig diese frühen Kontakte sind, zeigt sich bis heute: Bei der AI Week, dem größten KI-Event der Rhein-Main-Region, bringt sich Konstantin nach wie vor mit großem Engagement ein und übernimmt die Verantwortung einiger Themen – gemeinsam mit Carolin Wagner, die als Moderatorin entscheidende Impulse setzt und den Austausch prägt. Aus einer Woche Volunteering ist über die Jahre ein Netzwerk geworden. Genau das, sagt er, mache die Region aus: Sie ist persönlicher, als viele denken.

Der richtige Mitgründer

Seinen Mitgründer lernte Konstantin während des Studiums an der Frankfurt School of Finance & Management kennen: Ben Düring, mit dem er einige Kurse gemeinsam belegte. Schnell zeigte sich, dass die beiden dieselbe Arbeitsmoral teilen und dieselbe Faszination für Startups und Prozessoptimierung mitbringen. Bens Familie kommt aus der Personaldienstleistung und er wusste früh, dass er eines Tages gründen würde. Ein Antrieb, der von Anfang an passte. Nach dem Bachelor trauten sich die beiden und gründeten.

tagtig Co-Founder Ben Düring und Konstantin Koolen

„Wir haben schnell gemerkt, dass wir dieselbe Arbeitsmoral haben und beide für Startups brennen. Durch den engen Kontakt zu Unternehmen und Kandidatinnen und Kandidaten erkenne ich täglich, wo die zentralen Herausforderungen der Branche liegen. Zusammen mit Konstantin wollte ich diese lösen“, sagt Mitgründer Ben Düring.

Was Los Angeles und der Golfplatz beigesteuert haben

Mehrere Dinge haben Konstantins Arbeitsweise geprägt. Da ist zum Beispiel sein Auslandssemester in Los Angeles. Was ihn dort am meisten beeindruckt hat, war weniger der Lehrplan als die Offenheit: Kommilitonen und Professoren sprachen bereitwillig über ihre Ideen, teilten Sichtweisen und dachten groß. „Think big“ und „just do it“ hat er als Leitplanken mitgenommen – und beides hat geholfen, tagtig von einer Idee tatsächlich in die Umsetzung zu bringen.

Das andere ist Golf, das Konstantin auf Bundesliga-Niveau gespielt hat. Der Ablauf beim Golf ist immer derselbe und dennoch nie identisch und erfordert äußerste Disziplin. Man ist pünktlich auf dem Platz, bereitet sich auf der Range vor. Auf dem Platz dann: Situation lesen – wo liegt der Ball, wo steht die Fahne, wo lauert Wasser oder Sand, wie ist der Wind – daraus einen Plan machen, den Plan fokussiert umsetzen. Ein Satz seines Trainers Glen Hutcheson ist ihm dabei geblieben: lieber einen schlechten Plan mit voller Überzeugung durchziehen als einen guten nur halbherzig. „Das hat sich golferisch wie unternehmerisch bewiesen“, sagt er. Nützlich ist beides vor allem, weil frühes Gründen mental anstrengend ist. Dass es gefühlt im Stundentakt bergauf und bergab gehen kann, liest man überall – vorstellen kann man es sich trotzdem nicht. Konstantins Gegenmittel ist ein Satz, den er aus einem Tom Hanks-Interview mitgenommen hat: “This too shall pass”. Weder besonders gute noch besonders schlechte Momente zu stark gewichten, sondern nach vorne schauen.

tagtig: die Personaldienstleistung von morgen

Mit tagtig bauen Konstantin und Ben ein Produkt für Personaldienstleister. Die Software setzt auf deren bestehende Systeme auf und bündelt alle Kanäle, über die Kandidaten bei Kunden vorgestellt werden: über ein eigenes Kundenportal, per E-Mail oder direkt über eine Schnittstelle in das System des Kunden. Aus mehrfachem manuellem Übermitteln wird ein Prozess.

„Ein Personaldienstleister stellt denselben Kandidaten heute mal per E-Mail vor, mal über das Portal des Kunden, mal direkt in dessen System. Jeder Kanal hat sein eigenes Format, sein eigenes Login, sein eigenes Feedback – am Ende weiß niemand mehr, wo welcher Kandidat steht. Genau diese Reibung nehmen wir raus“, sagt Konstantin.

Gestartet sind die beiden nicht mit dieser Lösung. Am Anfang stand die Idee, den Bewerbungsprozess umzudrehen und Unternehmen sich bei Kandidaten bewerben zu lassen. Daraus wurde ein Kundenportal für Personaldienstleister – und daraus schließlich die heutige Bündelung aller Kandidatenvorstellungen. Der Weg dorthin war weniger Geistesblitz als Fleißarbeit: In vielen Gesprächen mit Personaldienstleistern haben die beiden systematisch abgeklopft, welches Problem in jedem einzelnen Gespräch wieder auftauchte. Nicht jede Annahme hielt stand, manches wurde verworfen. Der gemeinsame Nenner aber war eindeutig – und ist heute das Produkt.

Finanziert ist das Ganze bislang aus eigener Kraft: Die beiden bootstrappen, sind für Gespräche mit Angels aber offen. Sie wollen ein durchdachtes Produkt ausliefern, welches genau auf die Arbeitsweise der Branche zugeschnitten ist.

Erst der Anfang

Jungen Gründerinnen, Gründern und Studierenden gibt Konstantin vor allem eines mit: „Engagiert euch in eurem Umfeld und Netzwerk – man weiß nie, wofür es einmal gut ist.“ Seine eigene Reise hat mit einer Woche als Volunteer begonnen. Hätte er sich damals nicht einfach darauf eingelassen, wären viele der Türen, die sich später öffneten, wohl verschlossen geblieben.

Am Ziel sieht er sich noch lange nicht. Er sehe tagtig auf Expansionskurs, in weitere Regionen und Märkte; im Staffing-Markt liege trotz einiger guter Gründungen der letzten Jahre noch viel ungenutztes Potential. “Ich habe das Gefühl, dass meine Reise gerade erst begonnen hat”, sagt er. Mit tagtig steht er noch am Anfang und hat noch einiges vor.

Weitere Beiträge

Hier könnt ihr weiter Beiträge über die Startup SAFARI nachlesen. 5 Fragen an… Die Interviewserie, in der wir neue Startups und Gründer:innen vorstellen.

Event Tipp

Vom 26. bis 30. Oktober findet wieder die AI Week Frankfurt statt, die Führende B2B-KI-Konferenz, die KI-Führungskräfte, politische Entscheidungsträger, Hacker und Enthusiasten in Deutschlands Finanzhauptstadt zusammenbringt. Konstantin Koolen wird auch dieses Jahr wieder dabei sein. Als Netzwerkpartner bekommen wir wieder Freitickets. Bitte meldet euch bei carolin@station-frankfurt.de

Sunday Briefing - Dein kostenloser Newsletter aus dem Startup- und Innovations-Ökosystem FrankfurtRheinMain direkt ins Postfach.

Sunday Briefing - Der kostenlose Newsletter für Startups und Innovation in FrankfurtRheinMain.