5 Fragen an … RaiseRoom
RaiseRoom Co-Founder Andreas Hell und Dennis Huebert

Woran liegt es, wenn du ein top Produkt hast, aber kein Investor sich dafür interessiert? Genau an dieser Frage arbeiten Andreas Hell und Dennis Huebert. Die beiden waren als CFO und COO in Startups unterwegs und haben über 50 Millionen für Startups eingesammelt, heute bauen sie selbst. Mit ihrem Startup RaiseRoom machen sie Gründerinnen und Gründer investor-ready, bevor sie in ihre ersten Gespräche mit VCs gehen. Parallel dazu bringen sie mit dem AI-Campus-Programm myPACE praktische AI-Kompetenz an Universitäten und Business Schools.

Das klingt nach zwei Themen, ist für die beiden aber dieselbe Bewegung: Sie bauen selbst mit AI und geben genau diese Praxis weiter.

Im Interview sprechen wir über ihren Weg vom Fundraising zu einem eigenen AI-Produkt, darüber, was sich beim Gründen im AI-Zeitalter wirklich verändert hat, was sie sich für die Startup-Region FrankfurtRheinMain wünschen und wohin sie mit RaiseRoom und myPACE noch wollen.

Erzählt eure Story: Woher kommt ihr, und wie kam es dazu, dass ihr gleich zwei Produkte baut?

Wir haben zusammen an der Uni in Frankfurt studiert, danach hat es uns beruflich in verschiedene Richtungen gezogen. Wiedergetroffen haben wir uns 2019 auf der Startup SAFARI FrankfurtRheinMain, die STATION damals organisiert hat. Der eine war schon im Startup-Umfeld unterwegs, der andere kam aus der Beratung und ist kurz darauf im selben Startup eingestiegen. Seitdem sind wir über sechs Jahre als CFO und COO in Startups unterwegs, haben etliche durch ihr Fundraising begleitet und dabei über 50 Millionen Euro eingesammelt.

Die Vorbereitung auf diese Runden haben wir jahrelang von Hand gemacht, ein Startup nach dem anderen. Irgendwann kamen wir an den Punkt, an dem wir keine weiteren Mandate mehr annehmen konnten, obwohl wir wussten, dass die Founder die Unterstützung gebraucht hätten. Absagen zu müssen, wenn man genau weiß, was zu tun wäre, war der Moment, an dem wir entschieden haben, RaiseRoom zu gründen. Nicht, um weiter einzeln zu helfen, sondern um dieses Wissen vielen zugänglich zu machen, für einen Bruchteil dessen, was ein Interim-CFO oder ein Berater aufruft.

Beim AI-Campus-Programm myPACE ist es dieselbe Schieflage, nur an anderer Stelle. Während wir RaiseRoom selbst mit AI gebaut haben, haben wir mit Studierenden gesprochen, auch an unserer alten Hochschule: Wie sie AI heute nutzen und was der Arbeitsmarkt von ihnen erwartet, sind zwei verschiedene Dinge. Also haben wir uns mit ihnen zusammengetan und myPACE gebaut, ein AI-Programm von Studierenden für Studierende. Am Ende machen wir zweimal dasselbe: Wissen, das bisher wenigen gehört, dorthin bringen, wo es gebraucht wird.

Was macht RaiseRoom konkret, und warum reicht dafür nicht einfach ChatGPT?

Die meisten Fundraising-Tools drehen sich um Investor-Matchmaking: Sie zeigen dir, wen du ansprechen kannst, aber nicht, wie du ihn überzeugst. Dabei lebt Fundraising noch stärker als jeder andere Vertriebskanal von der persönlichen Ebene. Wir hatten noch keine Runde, bei der das Team den Investor nicht schon ein Jahr oder länger kannte. Was Gründer brauchen, ist deshalb kein Kaltakquise-Tool, sondern eine Story, die trägt, und eine Vorbereitung, die standhält. Denn das erste Gespräch mit einem Investor bekommst du genau einmal.

Deine Daten liegen überall verstreut: Website, LinkedIn, Deck, Financial Model. RaiseRoom zieht sie in einer Truth Matrix zusammen, einer geprüften Faktenbasis für deine ganze Runde, zeigt dir, was noch fehlt, bevor du mit Investoren sprichst, und bereitet dich auf diese Gespräche vor. Darauf setzt der Rest auf. Eine Equity Story, die nicht auseinanderfällt, sobald jemand ernsthaft nachfragt. 2.800 Investoren im Detail analysiert, damit du weißt, mit wem du über was sprechen musst, passend zu deiner Stage und deinem Bedarf, dazu ein CRM für alle Gespräche. Und die Fragen, die ein Investor stellen wird, bevor er sie stellt, mit der Antwort, die deine eigenen Zahlen hergeben.

Der Unterschied zu ChatGPT ist nicht das Modell. Dort lädst du bei jedem Gespräch deinen Kontext neu hoch und bekommst pro Prompt eine neue Meinung. Bei uns liegt alles in einem System, wird gegen denselben Standard geprüft und bleibt aktuell. Dazu steckt in RaiseRoom unser eigenes Wissen aus über 50 Millionen Euro an Runden, Insights, die in keinem Sprachmodell stehen. Die AI führt aus. Das Urteil kommt von uns.

Aktuell arbeiten rund 20 Startups damit, und immer mehr Acceleratoren fragen nach einer eigenen Version für ihre Kohorten, um sie optimal für das Fundraising vorzubereiten.

Ihr baut mit AI und lehrt AI. Was hat sich beim Gründen wirklich verändert, und warum braucht es dafür myPACE?

Mit AI ist das Bauen deutlich einfacher geworden. Wir haben RaiseRoom zu zweit gebaut, ohne Agentur und ohne Entwicklungsteam. Was früher der schwierigste Teil am Gründen war, ein Produkt überhaupt zum Laufen zu bringen, wird gerade zur Selbstverständlichkeit. Schwierig ist heute etwas anderes: echten Mehrwert zu schaffen und ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, das nicht jeder in ein paar Wochen nachbaut. Entscheidend sind Vertrieb, Marketing und die Erfahrung, die im Produkt steckt. Und das Urteil nimmt einem AI nicht ab. Sie liefert in Minuten etwas, das gut aussieht. Ob es stimmt, muss man selbst wissen.

Genau das wollen wir Studierenden beibringen: wie sie AI wirklich für sich nutzen. Es gibt unzählige kostenlose Tutorials, die die Werkzeuge erklären. Was niemand beibringt, ist der Umgang damit an einer echten Aufgabe, und Arbeitgeber setzen genau den inzwischen voraus. Deshalb ist myPACE kein Kurs, den man einmal durchklickt, sondern ein Programm: eine Plattform mit Lerninhalten, dazu Live-Termine, laufende Begleitung und eine Community, in der an echten Aufgaben aus Studium, Praktikum und erstem Job gearbeitet wird. Wir wollen Studierende in die Lage versetzen, AI aktiv einzusetzen, um den Anforderungen im Arbeitsmarkt gerecht zu werden, und ihnen gleichzeitig das Werkzeug geben, etwas Eigenes zu gründen.

Genutzt wird myPACE von Studierenden, gebucht wird es von den Hochschulen, als extracurriculares Angebot neben dem regulären Curriculum. Wir sind bereits mit mehreren im Gespräch, die genau das für ihre Studierenden wollen, weil es ihnen hilft, AI im Studium, im Praktikum und später im Beruf deutlich besser zu nutzen und damit attraktiver für Arbeitgeber zu werden.

Was bedeutet euch die Region, und was wünscht ihr euch für sie?

Wir haben hier studiert, hier gearbeitet und hier gegründet. Frankfurt hat alles, was man dafür braucht: Kapital, Hochschulen, Industrie und eine Szene, die in den letzten Jahren deutlich größer geworden ist.

Woran es hakt, ist die Übersicht. Um herauszufinden, was Coworking in Frankfurt eigentlich kostet, sind wir durch die halbe Stadt gelaufen und haben am Ende mehr Termine gebraucht als für unsere erste Finanzierungsrunde. Bei Programmen und Förderungen ist es dasselbe Spiel: Es gibt viel, man findet es nur nicht.

Was wir uns wünschen, würden wir am liebsten selbst bauen: eine offene Übersicht über alles, was Gründerinnen und Gründer hier bekommen können, Programme, Förderungen, Räume, mit Preisen, an einem Ort. Ein Nachmittag statt fünfzehn Termine.

Und unseren Teil tragen wir ohnehin bei: mit RaiseRoom, damit Startups von hier besser vorbereitet in ihre Runden gehen, und mit myPACE, damit die nächste Generation AI beherrscht, bevor sie in den Arbeitsmarkt kommt. Dass STATION diese Szene sichtbar macht und vernetzt, hilft genau dabei.

Was ist eure Vision, und was würdet ihr Gründerinnen und Gründern mitgeben?

Unsere Vision ist, das gesamte Fundraising in einer Software abzubilden. Heute deckt RaiseRoom die Vorbereitung und die ersten Investorengespräche ab, inklusive der Rückfragen, die danach kommen. Als Nächstes sind die Schritte dran, an denen es für Erstgründer richtig unübersichtlich wird: Due Diligence, Term Sheet, Closing. Dafür sprechen wir bereits mit den ersten Kanzleien, damit Term Sheets, Investment- und Shareholder-Agreements automatisch personalisiert bereitstehen. Am Ende soll ein Founder seine ganze Runde aus einem System heraus fahren, von der ersten Zahl bis zur Unterschrift.

Und was wir jedem Gründer mitgeben würden: Fang früher an, als du denkst, und rede mit Investoren, lange bevor du Geld brauchst. Wer aus einer Position der Stärke in eine Runde geht, verhandelt anders als jemand, dem der Runway im Nacken sitzt. Die besten Runden entstehen aus Beziehungen, die ein Jahr alt sind, nicht aus einer Liste, die zwei Wochen alt ist.

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In unserer Serie 5 Fragen an … stellen wir regelmäßig neue Startups aus der Region und ihre Founder vor. Mehr Sichtbarkeit hilft schon ganz am Anfang der Founder Journey.

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