„Der Zusammenhalt im Team ist das Wichtigste“ – Interview mit GOT BAG über die Krise
Die GOT BAG Gründer Benjamin Mandos und Roman Ruster. Foto: GOT BAG

Die Krise trifft alle Unternehmen – auch das Mainzer Rucksack-Startup GOT BAG. Die Mainzer Firma stellt Rucksäcke aus im Meer gesammeltem Plastik her und will so einen Beitrag leisten zur Klimarettung. Damit hat GOT BAG nicht nur eine Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeiter:innen hier vor Ort, sondern auch den Fischern in ihrem Clean-Up in Indonesien und der unter europäischen Bedingungen betriebenen Produktion in China. Wir haben mit dem Gründer Benjamin Mandos gesprochen und gefragt, wie sich das Startup in der Krise schlägt.

Mittlerweile sei die Situation ganz gut stabilisiert, erklärt Mandos. Im Team habe man zu Beginn schrittweise realisiert, welche Auswirkungen auf das Unternehmen zukommen, aber einen Moment der Hilflosigkeit habe es nie gegeben. „Wir haben uns ziemlich schnell gefragt: Okay, was machen wir jetzt? Wir haben dann unseren Online-Sale ausgebaut und das hat ganz gut funktioniert“, so Mandos weiter.

„Die Community hat super reagiert”

Dafür sei viel kommuniziert worden, nach Innen und nach Außen. In der Krise brauchten weniger Leute einen Rucksack, das habe man zwar gemerkt. Trotzdem hätten zum Beispiel die verschiedenen Rabattaktionen das Schlimmste abgewendet, findet Mandos: „Die Community hat super reagiert. Wir haben erklärt, dass es jetzt für uns ums Überleben geht und super Feedback bekommen.“ Trotzdem sei der Ball jetzt noch mehr bei GOT BAG, den Verkauf anzuregen und gleichermaßen das Bewusstsein für die Verunreinigung der Meere zu schärfen.

Neben dem normalen Verkauf hat das Unternehmen auch eine Spendenaktion für Atemschutzmasken ins Leben gerufen. GOT BAG organisiert die Aktion und möchte die Masken zu einem fairen Preis produzieren. Über ihren Mitarbeiter Peiyu in China haben sie die Möglichkeit dazu. Kund:innen können beim Kauf ihres Rucksacks eine Spende über ein Paypal Moneytool und über den Onlinestore beitragen. Die Masken werden an die Lebenshilfe, die Johanniter und andere soziale Akteure verteilt. Die ersten 10.000 Masken sind Ende vergangener Woche angekommen.

Ein Rucksack aus recycletem Plastik – bringt das überhaupt was? Auf jeden Fall, sagt GOT BAG auch trotz der Krise: Jeder Rucksack besteht aus gut 3,5 Kilo Plastik aus dem Meer. Foto: GOT BAG

Globale Verantwortung für GOT BAG trotz Krise

Trotz Corona könne die Produktion in Indonesien und China weitergehen. Das sei deswegen wichtig, da die beiden Länder keine sozialen Auffangsysteme hätten. Wer nicht arbeitet, verdient auch kein Geld, so Mandos: „Die Situation vor Ort ist prekär. Die Leute sind gezwungen, zu arbeiten.“ Natürlich habe es auch kleinere Probleme gegeben, zum Beispiel Landesteile, die sich abriegeln und den Lieferverkehr blockieren. Generell funktioniert die Produktion eines Rucksacks von GOT BAG so:

Gut 1500 Fischern in Indonesien bergen Plastikabfälle aus dem Meer und schaffen für die angeschlagene Fischerindustrie eine zusätzliche Einkommensquelle. Das Plastik aus dem Beifang der Fischer gelangt zu einer Sammelstelle, an der es sortiert und gereinigt wird. Der PET-Anteil wird zur Weiterverarbeitung verwendet. Die verbliebenen Reste gelangen in die entsprechende Wertschöpfungskette. Das Meeresplastik ist das Grundmaterial für die Herstellung eines Garns, aus dem in China schließlich die Taschen gefertigt werden. GotBag gibt an, dass die Arbeitsbedingungen kontrolliert werden und europäischem Standard entsprechen. MIt jedem Rucksack würden so 3,5 Kg Plastikmüll recycelt.

Mehrere Labels sollen Nachhaltigkeit zertifizieren

Trotzdem ein ganz schön langer Weg, den die Rucksäcke zurücklegen, könnte man meinen. „Die Produktion ist energieintensiv, aber benötigt insgesamt weniger als bei der Herstellung eines neuen Rucksacks”, erklärt Mandos. Daher seien sie gerade auch in Gesprächen mit der TU Berlin und dem TÜV. Diese werden eine Energiebilanz für GOT BAG erstellen.

Das Start-Up arbeitet mit nach dem Schweizer Nachhaltigkeitslabel BLUESIGN zertifizierten Herstellern zusammen, Produkte sind nach dem Oekotex 100 Standard hergestellt. So verweist das Startup darauf, dass ihre Taschen frei von krankheitserregenden Rückständen sind, die durch Chemikalien im Herstellungsprozess entstehen könnten.

Für den Notfall vorgesorgt

GOT BAG produziert seine Rucksäcke so nun seit gut zwei Jahren nach einer ebenso langen Entwicklungszeit. Zuletzt lief es sehr gut für das junge Mainzer Unternehmen: Spezialeditionen für Festivals und Bands waren geplant, Gespräche mit Multiplikatoren liefen. „Das ist jetzt alles auf Pause“, erklärt Mandos. Aus der Krise könne man aber auch lernen. So will GOT BAG auch nach Corona den Online-Handel verstärkt betreiben. „Wir waren in einem ziemlichen Flow, bei dem ab und an auch etwas liegen bleibt. Das holen wir jetzt nach“, freut sich Mandos.

Für den Ernstfall in der Krise hat GOT BAG trotzdem vorgesorgt. KFW-Kredite sind beantragt und die Vorbereitungen zum Thema Kurzarbeit getroffen: „Das ist nur für den Notfall. Wir glauben, dass wir da mit dem Team irgendwie durchkommen. Einige sind erst seit ein paar Wochen bei uns, aber in der kurzen, intensiven Zeit sind wir sehr stark zusammengewachsen und haben vieles verbessert. Wir sind echt dankbar, dass das Team und unsere Community so gut mitziehen.“

Während der Corona-Krise: 10% GOT BAG Rabattcode

Hier noch ein kleines Extra: Aufgrund der aktuellen Situation bietet GOT BAG einen exklusiven STATION Rabatt Code an.

Sunday Briefing - Dein kostenloser Newsletter aus dem Startup- und Innovations-Ökosystem FrankfurtRheinMain direkt ins Postfach.

Sunday Briefing - Der kostenlose Newsletter für Startups und Innovation in FrankfurtRheinMain.

NICHTS MEHR VERPASSEN!

Jetzt zum Sunday Briefing Newsletter Anmelden!
ZUR ANMELDUNG