Zwei der führenden WealthTech-Softwareanbieter Europas schließen sich zusammen: Harvest aus Frankreich und fincite aus Deutschland bilden eine strategische Allianz. Diese Partnerschaft unterstützen die Private-Equity-Investoren TA Associates und Montagu. Unter dem Dach der Harvest Group planen beide Unternehmen strategische Akquisitionen, um den europäischen WealthTech-Software-Champion aufzubauen.
Vereinigung von WealthTech-Pionieren durch Schaffung eines gesamteuropäischen Marktführers
fincite und Harvest entwickeln Wealth-Management-Software, die Finanzinstituten ermöglicht, ihre Anlageberatung neu zu gestalten. Die modulare B2B-Software automatisiert die Erstellung effizienter, maßgeschneiderter Portfolios – von der Kundenaufnahme (KYC/AML) bis zum Reporting. Viele Banken arbeiten heute noch mit einer Vielzahl voneinander unabhängiger, oft veralteter Softwarelösungen – sogenannte Legacy-Systeme, die teils über 25 Jahre alt sind. Diese heterogene Systemlandschaft erschwert die Integration, verursacht hohe Kosten und behindert eine moderne, nahtlose digitale Kundenbetreuung.
„Unsere Kunden wünschen sich weniger, jedoch stärkere Partner, die tiefere und bessere WealthTech-Lösungen aus einer Hand bieten. Gemeinsam mit Harvest erfüllen wir diesen Anspruch europaweit“, sagt Ralf Heim, Co-CEO und Gründer von fincite.
„Wir haben gezeigt, dass wir sehr gute Software bauen – und dass wir sie auch europäisch verkaufen können. Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt: zusätzlich akquisitorisch wachsen und den größten Player im europäischen WealthTech-Markt aufbauen“, ergänzt Friedhelm Schmitt, Co-CEO und Gründer von fincite.
Von der Idee zur Plattform: Die Gründungsgeschichte von fincite
Die Gründung von fincite im Jahr 2014 fußte auf einer persönlichen Erfahrung der Gründer: Bei der Verwaltung ihrer eigenen Investments stellten Ralf Heim und Friedhelm Schmitt fest, dass klassische Bankdienstleistungen oft nicht die nötige Datenintelligenz und Analysequalität boten, die sie aus anderen Branchen gewohnt waren. So entwickelte sie die Idee, Analyse- und Optimierungslogiken aus der Welt der Business Intelligence auf die Vermögensverwaltung zu übertragen.
Die ersten Jahre gestaltete fincite bewusst „bootstrapped“ – also ohne externe Investoren. Umso wichtiger war die Nähe zu Banken und Partnern vor Ort. „Proximity is power“, beschreibt Friedhelm Schmitt rückblickend das Prinzip: Der direkte Zugang zu Entscheidungsträgern und der schnelle Austausch mit Kund:innen machten den Unterschied. Unterstützt wurde das Team durch lokale Netzwerke, etwa das TechQuartier in Frankfurt sowie verschiedene Hochschul- und Inkubator-Programme. „Es gibt in Frankfurt mehr Menschen und Institutionen, die Innovation wirklich fördern, als man denkt. Wir sind dankbar für all die Impulse, die wir auf unserem Weg erhalten haben.“
Was fincite dabei bis heute auszeichnet, ist die Beständigkeit des Gründerteams. „Wir sind in derselben Konstellation gestartet, in der wir auch heute noch arbeiten – das ist in der Tech-Branche wirklich eine Ausnahme“, so Schmitt. Diese Kontinuität habe Vertrauen geschaffen – bei Kunden wie bei Investoren – und sei ein entscheidender Faktor dafür, dass fincite nun gemeinsam mit Harvest ein neues Kapitel aufschlägt.
Europäische Expansion und strategische Akquisitionen
Diese Partnerschaft ebnet den Weg für eine beschleunigte europäische Expansion mit einem klaren Ziel: die Verdoppelung des Gruppenumsatzes innerhalb der nächsten vier Jahre. Das Wachstum konzentriert sich auf die Kernmärkte der DACH-Region und Frankreich sowie die Benelux-Länder, Italien und Nordeuropa.
„Wir haben von Anfang an europäisch gedacht und gearbeitet. Unser Team ist international, unsere Kunden auch. In einer Zeit wirtschaftlicher Abschottung wollen wir den europäischen Gedanken wirtschaftlich mitgestalten“, betont Schmitt.
„Die europäische Regulatorik war für uns nie ein Hindernis, sondern ein Enabler.“
Mit dem Zusammenschluss verfolgen Harvest und fincite strategische Übernahmen, um ihr Produktportfolio und ihre geografische Präsenz zu erweitern und ihre Zielgruppen besser zu bedienen.
Branchenentwicklung und Mehrwert für Kunden
„Die WealthTech-Branche befindet sich in einem Reifeprozess. Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Wir sehen jetzt, was langfristig Bestand hat.“, so Schmitt.
„Deshalb war für uns klar: Wir wollen Konsolidierer sein, nicht konsolidiert werden.“
Durch den Zusammenschluss profitieren Kunden beider Unternehmen von einem erweiterten Produktportfolio, das ab Tag 1 verfügbar ist.
„Harvest bringt ein Toolset mit, das unser Angebot optimal ergänzt. Gleichzeitig steigt durch die größere Kapitalbasis unser Professionalisierungsgrad – bei IT-Sicherheit, Compliance, Zertifizierungen. Das kommt direkt unseren Kunden zugute“, erklärt Schmitt.
Gemeinsame Vision, geteilte Kultur
Harvest ist das führende FinTech in Frankreich für Softwarelösungen in der Vermögensverwaltung. Seit über 35 Jahren betreut das Unternehmen über 4.600 Kunden mit seinem Sitz in Paris.
„Wir erleben eine anhaltende Modernisierungswelle bei Finanzinstituten. Banken müssen ein nahtloses digitales Erlebnis bieten, ähnlich dem, was im Retail Banking zum Standard geworden ist. Der Markt fordert modulare und maßgeschneiderte Lösungen, die sich mühelos integrieren lassen“, ergänzt Virginie Fauvel, CEO von Harvest.
„Gemeinsam mit fincite erschließen wir Synergien und heben die Vermögensverwaltung auf ein völlig neues Level. Dieser Zusammenschluss stellt einen wichtigen neuen Schritt für die Schaffung einer starken europäischen Gruppe dar, die entschlossen auf Entwicklung, Innovation und Kundenzufriedenheit ausgerichtet ist. Diese Partnerschaft markiert den Beginn von etwas wirklich Bedeutendem.“
Strukturen bleiben, Perspektiven wachsen
„Und obwohl unsere Partner aus Frankreich ein traditionsreiches Unternehmen führen und wir aus dem Startup-Bereich kommen, treffen hier keine Gegensätze aufeinander, sondern eine produktive Mischung“ sagt Friedhelm Schmitt.
Beide Marken – Harvest und fincite – bleiben zusammen mit ihren Teams und Standorten am Markt bestehen. Im Rahmen des Mergers wird fincite-Mitgründer Ralf Heim zusätzlich zu seiner Rolle als Co-CEO der fincite in das Board der Gruppe eintreten. Gemeinsam mit seinen beiden Mitgründern, Friedhelm A. Schmitt und Stefan Post sowie dem vierten Geschäftsführer Paul Kammerer (COO), führt er die Geschäfte auch weiterhin.
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Beim Fintech Germany Award 2024 (FTGA24) belegte fincite Platz 1 in der Kategorie Early Stage. Den Artikel dazu findet ihr hier.
