A Woman Who Inspires: Nadia Doukali

Nadia Doukali entwickelt und produziert mit ihrem Unternehmen Honeyletter raffinierte Süßwaren für spezielle Zielgruppen. Ihr wohl bekanntestes Produkt ist der Iftarlender, eine Art Adventskalender für Muslime während des Ramadan. Doch das ist nicht alles: Spätestens ein Blick auf ihr Wikipedia-Profil zeigt, wie vielfältig Nadias Interessen sind. Was sie motiviert, all das zu tun, was sie tut und was die Vergangenheit ihrer Großmutter in Marokko damit zu tun hat – wir haben im Rahmen unserer Serie Women Who Inspire Rhein Main mit Nadia Doukali gesprochen.

Bitte stelle dich kurz vor: Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? Und mit welchen Projekten beschäftigst du dich momentan? 

Mein Name ist Nadia Doukali. Ich bin Kinderbuchautorin, Hörspielproduzentin, Unternehmerin und Produktentwicklerin. Ich bin zu all diesen Berufen, die ich heute auslebe, wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Wenn mich etwas interessiert, dann knie ich mich rein – und vieles funktioniert dann auch. Momentan beschäftigen mich zwei neue Produkte, deren Entwicklung ich jeweils mit Kreativteams vorantreibe. 

Welche Hilfsmittel, Erfahrungen oder Begegnungen, die dich bei deiner Entwicklung maßgeblich beeinflusst haben? 

Menschen, ihre Ängste und Bedürfnisse. Kinder und ihre Leichtigkeit. Es gibt nichts, das meine Arbeit und meine Ideen mehr beeinflusst als diese beiden Gegensätze. Meine Produkte sind alle darauf aufgebaut. 

Wer sind deine wichtigsten Vorbilder, wer hat dich inspiriert? Zu welchen Frauen schaust du auf, wen bewunderst du? 

Es gibt viele Menschen, die ich großartig finde. Und auch wenn es hier vor allem um inspirierende Frauen geht, ist die Geschichte, die mich geprägt hat, eng mit einem Mann verbunden – nämlich die meiner Großmutter im Marokko der Vierzigerjahre. Sie hat es damals geschafft, als bereits zweimal geschiedene Frau, meinen Großvater – einen attraktiven, einflussreichen und dickköpfigen Mann – für sich zu gewinnen. Er hat sie vom Fleck weg geheiratet und anschließend sein Harem auf ihren Wunsch aufgelöst. Teil eines Harems zu sein, war in Marokko zu dieser Zeit durchaus als Liebeserklärung zu verstehen. Meine Großmutter hat es dennoch geschafft, dieses eigentlich gut laufende Konzept zu modernisieren und zudem dafür zu sorgen, dass alle weiblichen Mitglieder und deren Kinder weiterhin in Sicherheit leben konnten. 

Sorry für den Ausflug zu meinen Wurzeln – aber ich bin nun mal eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin. 😉 Und wenn wir genau hinsehen, dann liegen Veränderungen sehr oft in den Händen und im Schoß großartiger Frauen. Doch erst mit einem tollen Mann im Hintergrund kann man zu einem echten Gewinner-Team werden.   

Hast du dich jemals diskriminiert oder benachteiligt gefühlt, weil du eine Frau bist?

Ich bin eine Frau, habe Brüste und Hüften, in mein Gehirn kann man aber leider nicht hineinschauen. Also bin ich sehr oft Sexismus ausgesetzt gewesen und bin es immer noch. Es gab durchaus schon Termine, bei denen ich den ein oder anderen Herren zurechtweisen und zuerst darauf aufmerksam machen musste, dass es darum geht, was ich kann und was in mir steckt. Das funktioniert dann zwar, ist aber nervig. 

Was muss geschehen, damit die Benachteiligung von Frauen endlich kein Thema mehr ist?

Ich denke, dass dieses Thema noch mehrere Generationen braucht, bis es komplett vom Tisch ist. Wir kommen der Sache allerdings näher, wenn Frauen sich eingestehen können, dass Macht sie auch verändern kann und Männer im Gegenzug akzeptieren, dass es in Ordnung ist, sich verletzt und machtlos zu fühlen.   

In der Praxis wäre Equal Payment schon mal ein guter Anfang. Egal, ob Mann oder Frau zuhause bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern: Es muss seitens Arbeitgeber oder und Staat abgesichert sein, dass weiterhin ein vollständiges Gehalt ausgezahlt wird. Das Erziehungsgeld ist hier ein Schritt in die richtige Richtung – aber der Druck, innerhalb kurzer Zeit wieder arbeiten gehen zu müssen, ist in den meisten Fällen immens. Doch wir können es uns als Eltern und vor allem als Gesellschaft nicht leisten, zu wenig Zeit für unsere Kinder zu haben und sie zu vernachlässigen. Die Konsequenzen wären verheerend.  

Welche Ratschläge würdest du anderen Frauen, die wachsen und Innovationen vorantreiben wollen, geben?

Mach’! Mach’ einfach! Trainiere deinen Instinkt und schalte deinen Kopf vor allem dann ein, wenn es um Zahlen und Verträge geht. Wenn du eine Idee hast, und sei sie noch so verrückt, dann mache es!

Wir sind zu so vielem fähig, doch unsere Ängste und Wunden stehen uns häufig im Weg. Natürlich kann zu viel Mut auch ins Gegenteil ausschlagen – aber die Geschichten vom American Dream, in denen Menschen mit limitierten Möglichkeiten und ohne Furcht Großes geschaffen haben, sind keine Märchen. Das sollte uns Mut geben. 

Wenn du einen Wunsch frei hättest: Wie könnte unsere Startup- und Innovations-Community dir und anderen Frauen helfen, sich weiterzuentwickeln?  

Ich würde meine Erfahrungen gerne selbst weitergeben und möchte helfen. Ich freue mich über Kontaktaufnahme! 🙂

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