novapace: Smarte Sohle für ein besseres Leben

Lebensqualität und Autonomie – dieses Versprechen bringen in Kürze drei junge Ingenieure von der TU Darmstadt in Form einer speziellen Einlegesohle für Parkinsonerkrankte auf den Markt. Patienten, die sich in der Anfangsphase der Krankheit befinden, werden bei falscher Belastung durch haptische Signale aufgefordert, ihren Gang zu korrigieren. Für diese Idee wurde novapace kürzlich beim Businessplan-Wettbewerb Science4Life Venture Cup ausgezeichnet. Wir haben mit den Gründern Patrick Scholl, Lukas Braisz und Simon Staffa gesprochen.

Drei Jahre ist es in etwa her, als Patrick Scholl auf die alltäglichen Probleme seines an Parkinson erkrankten Großvaters aufmerksam wurde. Sobald dieser sich beim Gehen nicht konzentrierte, neigte er zu kurzen Schritten und hob seine Füße nur minimal an. Zwar erinnerte die Großmutter ihren Partner stets daran, bewusster zu gehen, um so eine falsche Haltung und Stürze zu verhindern – eine Dauerlösung konnte das aber nicht sein. Also begann Scholl zu überlegen, wie er als angehender Ingenieur helfen könnte.

Gemeinsam mit seinem Studienkollegen und guten Freund Simon Staffa konkretisierte Scholl seine Idee: Eine sensorische Einlegesohle, die Parkinson-Patienten in Echtzeit per Vibration auf einen fehlerhaften Gang hinweist. Auf Dauer stellt sich so ein Trainingseffekt ein, aus dem saubere Abläufe sowie generell mehr Bewegung resultieren. Dies sei absolut wesentlich, denn es sei “nachgewiesen, dass Bewegung den Verlauf von Parkinson verlangsamt”, so Staffa. Mit Leidenschaft stürzten sich die beiden Maschinenbaustudenten in die Arbeit.

Anschlussfinanzierung in der Mache

Tatsächlich kamen erste Ergebnisse schneller als erwartet. Ein Prototyp stand bereits nach kurzer Zeit, sodass Scholl und Staffa Potenzial für mehr sahen und mit Lukas Braisz einen Experten für Produktentwicklung ins Team holten. Spätestens hier wurde aus dem anfänglichen Nebenprojekt ein echtes Startup, das um eine App, über die sich die Trainingsfortschritte der Patienten nachvollziehen lassen, erweitert wurde. Scholl fungiert heute als CEO, während Staffa als CFO und COO die Finanzen und das Projektmanagement organisiert. Braisz hat indes die Rolle des CTO inne.

Zwar hat novapace seine spezielle Einlegesohle noch nicht auf den Markt gebracht, das Interesse ist jedoch sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten und Physiotherapeuten sehr groß. Dass sich der Markteintritt vergleichsweise lange hinzieht, hängt auch mit der speziellen Zulassung für Medizinprodukte zusammen, für die wissenschaftlich fundierte Wirksamkeitsnachweise erforderlich sind. Wenn es soweit ist, soll die Sohle für 350 Euro in den Regalen liegen, mittelfristig ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen geplant.

Das novapace-Team (v.l.): Lukas Braisz, Patrick Scholl und Simon Staffa. (Foto: novapace)

Angesprochen auf ihre größten Herausforderungen geben die Gründer offen zu, dass man das eigentliche Produkt zeitweise etwas vernachlässigt habe. Laut Staffa Teil eines Lernprozesses, aus dem man die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ein Thema, das das Team momentan umtreibt, ist zudem die Suche nach Investoren. Bis August nimmt novapace noch das Gründerstipendium von EXIST in Anspruch, für die Anschlussfinanzierung sei man aber bereits in Gesprächen und regelmäßig auf Pitch-Veranstaltungen aktiv.

“Viel zu gut aufgestellt”

Könnte Staffa es sich ausmalen, würde novapace in fünf Jahren rund zehn Mitarbeiter beschäftigen und wäre auch außerhalb Deutschlands aktiv. Unwahrscheinlich ist das nicht, schließlich kann die Einlegesohle auch bei Symptomen anderer Krankheiten wie mit Diabetes, MS oder Fußfehlstellungen wie Knick-Senk-Fuß helfen. “Also überall dort, wo ein bewusstes Abrollen der Füße und ein bewusster und konzentrierter Gang eine Besserung des Gangbildes ermöglichen”, präzisiert Staffa.

Als Absolventen der TU Darmstadt wissen die drei Jungunternehmer an unserem Ökosystem insbesondere die hohe Dichte an Hochschulen und Partnern aus der Wirtschaft zu schätzen. “Insgesamt tummelt sich bei uns sehr viel Know-How auf einem Fleck, ganz zu schweigen von der zentralen geographischen Lage”, so Staffa. Die häufig beklagte Finanzierungssituation will der 26-Jährige indes nicht als Standortnachteil gelten lassen: “Letztendlich wird kein guter Gründer mit besonderer Idee und Motivation am Gründungsnetzwerk im Rhein-Main-Gebiet scheitern. Dafür ist es viel zu gut aufgestellt.”

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