ekipa-Gründer Gemeri: “Bodenständig bleiben und liefern”

Noch vor einem Jahr quälten sich Justin Gemeri und Linh Phung Tag für Tag auf die unbequeme Holzbank im Gästezimmer ihres Mitgründers Nico Heby, um an ihrer Geschäftsidee zu feilen: Studenten und Unternehmen miteinander vernetzen, um gelerntes Wissen direkt anzuwenden und so Innovationsthemen auf Corporate-Seite voranzutreiben. Heute zählen Merck und der F.A.Z. Verlag zu den Kunden von ekipa. Der Name des Startups geht auf die kroatischen Wurzeln von Mitgründer Heby zurück und bedeutet übersetzt “Team” – das leuchtet ein, schließlich bildet Crowdsourcing die Basis von ekipa.

Unterhält man sich mit ekipa-Gründer Justin Gemeri, wird relativ schnell klar, dass es sich beim Gesprächspartner um einen Überzeugungstäter handelt. Über Sinn und Unsinn des Hochschulstudiums referiert der Wirtschaftswissenschaftler ebenso leidenschaftlich wie über das Potenzial von Studenten, das viel zu häufig ungenutzt bleibt. Genau hierin bestand auch sein Antrieb, ekipa vor einem Jahr zu gründen – direkt nach dem eigenen Studium, in Vollzeit. Heute ist das 10-köpfige Team Teil des Inkubators der Goethe Uni und sorgt dafür, dass große Organisationen wie Merck, der F.A.Z. Verlag oder das Land Hessen von den Ideen, die in Hochschulen gesät werden, profitieren können.

Je vielfältiger, desto innovativer

Die Grundidee von ekipa besteht darin, dass sich Menschen über die Online-Plattform zu Teams zusammenschließen, um gemeinsam Lösungsansätze für Problemstellungen aus der Realität zu entwickeln. In der Praxis sieht das dann so aus: ekipa veröffentlicht eine konkrete Definition der zu lösenden Herausforderung. Innovatoren – bislang ausschließlich Studenten – können dann Teams gründen oder bestehenden Teams beitreten, um die geschilderte Challenge gemeinsam zu lösen. Ein mehrstufiger, Casting-ähnlicher Prozess führt schließlich zum Finale, in dem es für die Teilnehmer um ein Preisgeld oder auch Sachpreise geht.   

“Ein Faktor, der für die erfolgreiche Lösung eines Problems entscheidend ist, ist Diversität im Team”, erklärt Gemeri. Die Annahme: Je vielfältiger die Fähigkeiten und Prägungen in einem Team, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende ein innovativer und originärer Lösungsansatz steht. Als Beispiel nennt Gemeri die F.A.Z.-Challenge, die für Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen prädestiniert ist. “Hier geht es darum, die unterschiedlichen Produkte des Verlages zu analysieren und Konzepte zu entwickeln, die vor allem ein junges und damit vielfältiges Publikum überzeugen”, erklärt Gemeri.

Langfristige Kooperationen als Ziel

Diese Herausforderung, mit der wohl jedes traditionell geprägte Verlagshaus konfrontiert wird, klingt alles andere als neu. Die Grundidee des Lösungsansatzes hingegen schon: In einem speziellen Format, dem “University Battle”, bündelt die Kompetenz und die Kreativität von Studenten aus über 20 Hochschulen rund um das Rhein-Main Gebiet, die antreten, um – überspitzt gesagt – das redaktionelle Angebot einer der größten Tageszeitungen Deutschlands zu modernisieren. Dasselbe Konzept wendet ekipa übrigens auch für den Kunden Merck an, bei dessen Challenge es um die Konsumentenbedürfnisse der Zukunft im Bereich Lebensmittel geht.

Der F.A.Z.-Verlag und Merck sind die ersten Kunden, für die ekipa Innovationskampagnen in dieser Größenordnung durchführt. Ob man mit Blick auf diese Namen wohl einen Nerv getroffen habe? “Es ist natürlich eine erste Bestätigung für uns, dass wir mit der F.A.Z. und Merck zwei renommierte Unternehmen für unsere Idee gewinnen konnten. Wir sind uns natürlich aber auch der Verantwortung bewusst und bleiben bodenständig. Jetzt haben wir auch Druck zu liefern”, konstatiert der ekipa-Gründer. Mit dem Land Hessen folgt zeitnah ein dritter hochkarätiger Auftraggeber. 

Die ekipa-Gründer Gemeri (l.), Phung (M.) und Heby (r.)

Natürlich soll es mit Blick auf die F.A.Z.-Challenge oder das Projekt mit Merck nicht bei einmaligen Crowdsourcing-Kampagnen bleiben. Im Idealfall sind die Ideen der Siegerteams so überzeugend, dass ihnen die Umsetzung im Unternehmen ermöglicht wird oder wie bei Merck die Aufnahme in das firmeneigene Förderprogramm winkt. ekipa selbst ist wiederum deutlich mehr als nur Vermittler kluger Köpfe mit guten Ideen. “Wir begleiten den gesamten Prozess von Anfang bis Ende. Das beginnt mit der Identifikation der Challenge auf Unternehmensseite und mündet in Bootcamps für die Teams vor dem großen Finale sowie einem Abschluss-Event”, erläutert Gemeri.

Wachstum im Blick

Während ekipa sich derzeit noch auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen fokussiert und hier auch die zentrale Erlösquelle liegt, ist für die Zukunft eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells denkbar. Interessant wäre laut Gemeri neben der Erweiterung der Zielgruppe auf Crowd-Seite auch ein spezielles Angebot für Startups, um deren Teamzusammenstellung zu optimieren. Allerdings, so schiebt Gemeri gleich nach, wolle man “erstmal verschiedene Optionen testen und schauen, was funktioniert und wie es funktioniert.”

Der Crowdsourcing-Ansatz von ekipa kommt übrigens auch bei vergleichsweise kleinen Problemstellungen zur Anwendung. Wenn beispielsweise eine Hotelkette einen Namen für ihre neue Suiten-Kategorie sucht, startet ekipa eine “Ideation Challenge”, die konkrete Namensvorschläge aus der Crowd generieren soll. Belohnt wird die beste Idee mit einer Übernachtung in einer der neuen Suiten. “Das Ergebnis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens genauso innovativ sein, wie etwa der Vorschlag einer Agentur – aber eben um ein vielfaches günstiger”, so Überzeugungstäter Gemeri zu den Vorzügen des Crowdsourcing.  

Die Anmeldung für die F.A.Z.-Challenge läuft noch bis zum 15. November, interessierte Studenten können hier mitmachen.