Wachsen durch Übernahme: Warum Unternehmensnachfolge auch für Selbstständige spannend ist
Mehr Kunden gewinnen, neue Mitarbeiter einstellen, einen weiteren Standort eröffnen oder das eigene Angebot ausbauen: Wer mit seinem Unternehmen wachsen möchte, denkt meist zuerst an organisches Wachstum. Ein Weg bleibt dabei erstaunlich oft außen vor: ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen. Denn Unternehmensnachfolge ist längst nicht nur für Menschen interessant, die erstmals Unternehmer werden wollen. Für Selbstständige und etablierte Unternehmer kann sie eine spannende Wachstumsstrategie sein. Wir sprechen darüber mit Maxine Schiffmann, Projektleiterin bei HMZ – Hessen macht Zukunft.
Wachsen, ohne wieder bei null anzufangen
Wer bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell aufgebaut hat, muss den nächsten Wachstumsschritt nicht zwangsläufig wieder selbst von Grund auf entwickeln.
„Eine unserer HMZ-Zukunftsmacherinnen, Michèle Kreuter, Gewinnerin des Hessischen Gründerpreises 2024, hat inzwischen bereits ihre dritte Unternehmensnachfolge im Eventbereich angetreten“, beschreibt Maxine Schiffmann.
Mit Kreuter Eventtechnik setzt sie dabei auf ein Geschäftsfeld, das sie bereits kennt. Durch weitere Übernahmen kann sie bestehendes Know-how nutzen, zusätzliche Standorte erschließen und ihr Geschäft über die bisherigen regionalen Grenzen hinaus ausbauen.
Das Kerngeschäft bleibt vertraut. Gleichzeitig kommen mit einer Übernahme Strukturen, Kundenbeziehungen und Marktanteile hinzu. Erfahrungen und Ressourcen aus mehreren Unternehmen lassen sich verbinden. Gerade bei einem bereits erprobten Geschäftsmodell kann eine Nachfolge deshalb ein Weg sein, schneller zu wachsen, als einen weiteren Standort komplett selbst aufzubauen.
Das eigene Geschäft um neue Kompetenzen erweitern
Unternehmensnachfolge kann auch dann interessant werden, wenn nicht das bestehende Geschäftsmodell kopiert werden soll.
Eine Übernahme kann beispielsweise einen Geschäftsbereich ins Unternehmen holen, der bisher fehlt. Das kann eine fachliche Kompetenz sein, ein ergänzendes Angebot oder der Zugang zu einer Kundengruppe, die sich aus eigener Kraft nur mit erheblichem Aufwand erschließen ließe.
Statt das entsprechende Know-how über Jahre intern aufzubauen, übernimmt ein Unternehmen Strukturen, Erfahrung und Kundenbeziehungen. Entscheidend ist dabei, dass das übernommene Geschäft zum eigenen Unternehmen passt und einen nachvollziehbaren strategischen Nutzen hat.
Manchmal steckt der entscheidende Wert ganz woanders
Bei einer Übernahme lohnt sich außerdem der Blick auf Dinge, die in klassischen Kennzahlen zunächst gar nicht so prominent auftauchen.
Bei Kreuter Eventtechnik spielte beispielsweise eine bereits vorhandene Baugenehmigung für eine Lagerhalle eine wichtige Rolle bei einer strategischen Übernahme. Eine vergleichbare Genehmigung selbst neu zu erhalten, hätte viel Zeit und Aufwand bedeutet.
Solche Fälle zeigen, dass bei einer Nachfolge weit mehr auf dem Tisch liegen kann als Umsatz und Maschinen. Standorte, Genehmigungen, Kundenverträge, besondere Infrastruktur oder über Jahre aufgebautes Know-how können für einen Käufer einen erheblichen strategischen Wert haben.
Der Blick sollte deshalb über die klassische Frage „Wie viel Umsatz macht das Unternehmen?“ hinausgehen. Unter Umständen besitzt ein Betrieb etwas, das sich selbst nur schwer, teuer oder mit langer Wartezeit aufbauen ließe.
Ein eingespieltes Team lässt sich nicht über Nacht aufbauen
Und dann wäre da noch ein Problem, das viele Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet aus eigener Erfahrung kennen: Gute Mitarbeiter zu finden, kann schwierig sein.
Wachstum scheitert deshalb manchmal gar nicht an fehlenden Aufträgen. Es fehlen schlicht die Menschen, um sie umzusetzen.
Auch hier kann eine Unternehmensübernahme einen Unterschied machen. Im besten Fall übernimmt der Käufer ein eingespieltes Team, das seine Kunden kennt, die Abläufe beherrscht und über Fachwissen verfügt, das teilweise seit Jahren gewachsen ist.
Natürlich bleiben Mitarbeiter nach einer Übernahme nicht automatisch. Eine gute Kommunikation und Integration sind entsprechend wichtig. Trotzdem startet ein Käufer an einem völlig anderen Punkt, als wenn er ein neues Team Stelle für Stelle aufbauen und anschließend einarbeiten müsste.
Gerade angesichts des Fachkräftemangels kann ein bestehendes Team deshalb zu einem besonders wertvollen Teil einer Übernahme werden.
Unternehmensnachfolge einmal anders gedacht
Eine Firmenübernahme ist kein Selbstläufer. Kaufpreis und Finanzierung müssen passen, Zahlen und mögliche Altlasten gehören geprüft und unterschiedliche Arbeitsweisen müssen nach der Übernahme zusammenfinden.
Aber Nachfolge nur als Karriereoption für Menschen zu betrachten, die noch nicht selbstständig sind, greift zu kurz.
Wer bereits ein Unternehmen hat und über den nächsten Wachstumsschritt nachdenkt, kann sich deshalb eine andere Frage stellen: Was müsste ich heute mühsam selbst aufbauen, das in einem anderen Unternehmen vielleicht längst vorhanden ist?
Vielleicht muss der nächste Wachstumsschritt also gar nicht neu gegründet werden. Vielleicht gibt es das passende Unternehmen längst.
Mission Nachfolge beim HMZ-Festival
Das HMZ-Festival führt durch die sieben wichtigsten Stationen der Unternehmensnachfolge: von der Suche nach dem passenden Unternehmen über Finanzierung und Bewertung bis hin zum erfolgreichen Einstieg.
Spannende Nachfolge-Storys, ehrliche Einblicke und praktische Impulse von HMZ-Nachfolgerinnen und Nachfolge-Expertinnen geben Orientierung und Inspiration. Gleichzeitig bietet das Festival Raum für Austausch und neue Kontakte in der hessischen Nachfolgeszene.
📅 11. September 2026, 14:30 Uhr – bis ca. 22 Uhr inkl. Food & Festival Night
📍 Campus der Hochschule Fresenius, Wiesbaden
Mehr Informationen und Tickets für exklusiv für Station gibt es hier
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