Klimaschutz durch Logik – right. based on science Gründerin Hannah Helmke
Hannah Helmke, Co-Founderin von right. based on science

Temperature Alignment ist das Zauberwort von right. based on science: Das Startup aus Frankfurt berechnet den Beitrag von Unternehmen zum Klimawandel. Damit trifft es auf großes Interesse, vor allem bei Investor:innen. Warum, das hat uns Co-Gründerin Hannah Helmke im Interview erklärt.

Update: Hannah Helmke hat den Female Founders Award von AmCham Germany, der American Chamber of Commerce in Germany, gewonnen!

AmCham versteht sich als globales Netzwerk in Wirtschaft und Politik und setzt sich für die globalen Handelsbeziehungen mit den USA ein. Der Female Founders Award soll weibliche Gründungen unterstützen und ihnen Sichtbarkeit verschaffen. Denn, da waren sich alle Anwesenden an dem Abend einig: Gründerinnen sind ein großes Potenzial, haben aber mit vielen strukturellen Nachteilen zu kämpfen. “Was am wichtigsten ist: Der Zugang zu Kapital und zu Talenten”, sagte Hannah Helmke an dem Abend. Für weibliche Gründerinnen ist es immer noch schwer, sich Gehör zu verschaffen, oft sind Finanzierungsrunden mit weiblichen Gründungen kleiner und schwerer zu bekommen. “Du brauchst Menschen, die an dich glauben”, so Helmke weiter. Neben Helmke mit right. hat Julia Piechotta mit Spoontainable einen Female Founder Award gewonnen. Das Startup aus Heidelberg hat einen essbaren Löffel entwickelt. Damit liegt der Schwerpunkt des Female Founder Awards dieses Jahr stark auf Nachhaltigkeit.

Investor:innen möchten wissen, ob ein Unternehmen klimafreundlich ist oder nicht

Es gebe immer mehr Investor:innen, die wissen möchten, ob ein Unternehmen klimabezogenen Risiken ausgesetzt ist und ob es ein Geschäftsmodell hat, das auch in Zukunft funktionieren wird, erklärt Hannah Helmke uns in einem Video-Call vergangenen Dezember. Und right. gebe eine objektive Einschätzung, ob Investitionen hinsichtlich Klimafragen nachhaltig sind oder eben nicht. Nachhaltigkeit, führt sie weiter aus, sei ein „erfolgskritisches Thema“ geworden. Helmke ist Co-Gründerin von right. Zusammen mit ihrem Lebenspartner leitet sie die Firma. Um sie herrscht in letzter Zeit ein echter Medienrummel. In den Zeitungen wird sie als Powerfrau dargestellt und zitiert mit knackigen Worten wie „Der Klimawandel bringt den Kapitalismus an seine Grenzen“. Sie ist eine Überzeugungstäterin.

Die Frage, die sich right. stellt: Ist ein Unternehmen klimafreundlich?

Die Idee von right. ist dabei so einfach wie genial: right. based on science berechnet, vereinfacht gesagt, um wie viel Grad sich die Erde erwärmen würde, wenn die ganze Welt sich wie ein bestimmtes Unternehmen verhalten würde. Das Ergebnis wird dann verglichen mit einem Zielwert, der an die jeweilige Branche angepasst ist, denn manche produzieren naturgemäß mehr CO2 als andere. Hinter dem sogenannten Temperature Alignment von right. steckt die Annahme, dass zu CO2-lastige Geschäftsmodelle aufgrund des Klimawandels wohl bald nicht mehr profitabel sind. Und das zieht, erzählt Helmke.

Die Emissionsdaten für seine Analysen bekommt right. dabei vom Londoner Datenanbieter Urgentem, der die selbst berichteten Daten von Unternehmen vervollständigt und plausibilisiert. Das sei sehr transparent und repräsentativ, so Helmke. right. führt übrigens immer auch selbst eine Plausibilitätsprüfung mit den Daten durch, um doppelte Sicherheit zu haben. Investmentmanger:innen können dann mit den gewonnenen Informationen über eine Software ihre Assets verwalten. Auch Unternehmen können eine Software von right. nutzen, um auf Basis ihrer eigenen Daten Klimawirkungsanalysen durchzuführen.

Idee zur Gründung kam schon 2012

Die Idee zur Gründung kam Helmke 2012 während ihres BWL-Studiums. Dort lernte sie, wie viele Unternehmen mit fossilen Brennstoffen als Ressource rechnen, obwohl diese in der Zukunft sehr wahrscheinlich nicht weiter genutzt werden dürfen. Zunächst ging sie dann aber erst einmal zur DHL und zu BridgingIT. Schnell habe sie gemerkt, dass sie dort nicht den Impact hatte, den sie sich wünschte.

2016 dann also die Gründung mit ihrem Lebenspartner Sebastian Müller. Er kümmert sich um die Kund:innen und Finanzmarktfragen, Helmke um die Anwendung und Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Methode von right., dem rechnerischen Kern des Startups aus Frankfurt.

“Jeden Tag neue Wege trampeln”

Es sei ein sehr forderndes Arbeiten in dem Startup, erklärt Helmke: „Der Anspruch bei uns: Jeden Tag neue Wege trampeln. Strukturen ändern sich laufend, wir arbeiten jeden Tag an der Produkt- und Geschäftsmodellentwicklung“. Das bedeute auch, dass die Teams teils sehr schnell auf neue Bedingungen reagieren müssen. Bei right. zu arbeiten bedeute also, mit Kolleg:innen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuarbeiten. Und das auf einem hohen fachlichen Niveau. Dafür sei sehr viel Kommunikation notwendig, erklärt Helmke. Ihre Rolle sei dabei auch, dort zu unterstützen, wo es die Teams gerade benötigen.

Um sieben Uhr morgens startet sie ihren Tag, 12 Stunden Arbeitszeit seien dabei nicht unnormal. Ein hohes Arbeitspensum, dass Helmke und ihr Team auch durchhalten, weil sie merken, dass ihre Idee funktioniert. Erst kürzlich hat beispielsweise der BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes, gemessen am verwalteten Vermögen immerhin die größte Pensionskasse Deutschlands, entschlossen, die Software von right. zu benutzen.

Auch mit einigen Preisen darf sich right. schon schmücken: Deutscher Nachhaltigkeitspreis für das Startup, der Digital Female Leader Award persönlich für Helmke. Und jetzt auch der Female Founder Award von AmCham. Ob die doch recht regelmäßigen Auszeichnungen und Erfolgsmeldungen etwas mit einem machen? Helmke überlegt kurz. Sie ist ein Mensch, der die Dinge logisch abwägt, gerne einen kühlen Kopf bewahrt. Die Welt mit Logik zu retten, das passt zu Helmke. „Ich würde jetzt nicht von regelmäßigen Preisen sprechen, aber das motiviert mich natürlich, weiterzumachen“, sagt sie. Das bedeutet für Helmke auch: Wir haben noch einen langen Weg zu gehen.

Arbeiten bei right. bedeutet ein hohes Tempo, für das man auch Pausen machen muss

Im Moment jedenfalls geht es in hohem Tempo voran. Vormittags Fokuszeit, oft keine Mittagspause und nachmittags offen sein für alles, was ansteht – das ist der Tag von Helmke. Aber, auch das sei klar: „Mehr als drei, vier Jahre geht das nicht, dann funktioniert der Kopf nicht mehr“. Busy is the new stupid, nennt Helmke es. Was oft von Gründer:innen vergessen werde: Um produktiv zu sein, brauche es einen gesunden Lebensstil mit Sport und Zeit für Reflektion und sich selbst.

Für Helmke sind das ihre zwei Hunde, die übrigens auch mit im Büro sind. Wo andere nun darüber sprechen würden, wie schön es ist, Hunde zu haben, erklärt Helmke erst einmal, dass Studien mit Kindern zeigen, dass Hunde die Konzentration steigern, beruhigen und fokussieren. Seit zwei Jahren ist der erste Hund da, seit einem Jahr der zweite. Beide aus dem Tierschutz. „Hunde zu haben ist unglaublich bereichernd. Die Geduld und das Commitment an meine Hunde helfen mir, mich bei der Arbeit voll zu konzentrieren“.  

Deswegen will Helmke sich in Zukunft auch mehr zurücknehmen, nicht mehr so viel „ackern“. Stattdessen will sie sich stärker um die Vision von right. kümmern, das große Bild ins Auge nehmen und noch mehr Sichtbarkeit für ihren Kampf gegen den Klimawandel schaffen.

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