Eine Software, die Herzuntersuchungen noch genauer macht, ein Sprachassistent, der Handwerksbetrieben Papierkram auf der Baustelle abnimmt, ein Weidezaun-Roboter, der auch defekte Stellen im Zaun meldet, und KI-Modelle, die die Suche nach neuen Hochleistungswerkstoffen beschleunigen: Diese Ideen haben in diesem Jahr beim Grรผndungswettbewerb โHessen Ideenโ gewonnen.
Wissenschaftsminister Timon Gremmelsย gratulierte den Teams der Justus-Liebig-Universitรคt Gieรen, der Technischen Universitรคt Darmstadt und der Universitรคt Kassel. Erstmals wurde in diesem Jahr ein KI-Sonderpreis in Kooperation mit hessian.AI vergeben.
โStudierende, Forschende, Mitarbeitende, Absolventinnen und Absolventen entwickeln an unseren Hochschulen kreative Lรถsungen fรผr konkrete Probleme. Darin liegt groรes unternehmerisches Potenzial. Unsere Initiative Hessen Ideen baut diese wichtige Brรผcke zwischen Forschung und Anwendungโ, so Wissenschaftsminister Timon Gremmels. โDie Teams, die wir heute geehrt haben, sehen die Herausforderungen aus der Praxis – im Krankenhaus, auf der Baustelle, auf der Weide, im Labor – und entwickeln daraus Lรถsungen, die Menschen entlasten. Ich gratuliere den Preistrรคgerinnen und Preistrรคgern herzlich und wรผnsche ihnen viel Erfolg auf ihrem unternehmerischen Weg.โ
Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis erhielten Felix Glocker, Dr. Nils Kremer und Prof. Dr. Khodr Tello von der Justus-Liebig-Universitรคt Gieรen fรผr ihr Projekt โHemodynamixโ.
Die Software โHemodynamixโ soll รrztinnen und รrzten dabei helfen, die Funktion des Herzens einfacher und genauer zu beurteilen. Bei vielen Untersuchungen im Krankenhaus werden bereits Druckkurven aus dem Herzen gemessen. Sie zeigen, wie gut das Herz arbeitet und wie stark es belastet ist. Bisher werden diese Informationen jedoch nur teilweise genutzt. โHemodynamixโ wertet die Druckkurven aus und liefert durch spezielle Rechenverfahren genauere Auskรผnfte รผber die Herzfunktion โ ohne zusรคtzlichen Eingriff und ohne teure Spezialkatheter. Die Arbeit an dieser Technologie wurde aus 15 Jahren klinischer Forschung heraus entwickelt und wissenschaftlich validiert. Besonders รผberzeugte die Jury die komplementรคre Kompetenz des Teams aus Medizin und praktischer Anwendung sowie der unmittelbare Nutzen fรผr die Patientinnen und Patienten.
Auf den mit 7.500 Euro dotierten zweiten Platz schafften es Jenny Kantor, Teresa Herzog und Aron Spang von der Technischen Universitรคt Darmstadt mit โWorkcraftโ.
Die Software โWorkcraftโ automatisiert die Bรผroarbeit von Handwerksbetrieben direkt auf der Baustelle. Viele kleinere Unternehmen haben keine eigene Bรผrokraft, um Materialdokumentation, Angebote und Rechnungen zu erstellen. Gerade fรผr internationale Teams ist das ein Problem. Bรผrokratische Hรผrden halten zudem viele qualifizierte internationale Fachkrรคfte davon ab, einen eigenen Betrieb zu grรผnden oder als Nachfolge zu รผbernehmen. โWorkcraftโ funktioniert รผber Spracheingaben und Fotos, ist mobil einsetzbar und versteht 48 Sprachen. Die Jury รผberzeugte der hohe unmittelbare Kundennutzen und das groรe Potenzial, das โWorkcraftโ auch fรผr die Nachfolgesituation im Handwerk entfalten kann. Besonders beeindruckten die Jury die Leidenschaft und die ausgeprรคgte Hands-on-Mentalitรคt des Grรผndungsteams.
Am Abend der Preisverleihung รผberzeugte das Team auch die Zuschauerinnen und Zuschauer gewann zusรคtzlich den Publikumspreis.
Den dritten Platz und 5.000 Euro erhielten Hannah Arwen Graef und Carsten Bruckhaus von der Universitรคt Kassel fรผr ihre Idee โWeidezaun-Roboterโ.
Der โWeidezaun-Roboterโ mรคht kilometerlange Weidezรคune frei und erkennt dabei per Stereovision und KI defekte Stellen. Das spart Landwirtinnen und Landwirten Zeit und Kraft und sorgt fรผr funktionsfรคhige Zรคune, die die Tiere auf der Weide halten und vor Gefahren wie dem Wolf schรผtzen. Das Team adressiert damit praktische Herausforderungen der Weidewirtschaft. Die Jury รผberzeugte insbesondere, wie konsequent das Team forschungsbasierte Technologie auf ein reales Problem anwendet und damit mehr Autonomie und Entlastung fรผr Weidelandbesitzerinnen und -besitzer schaffen kann.
Erstmals wurde beim Wettbewerb ein KI-Sonderpreis in Kooperation mit hessian.AI vergeben. Damit stรคrken Hessen Ideen und hessian.AI die Vernetzung innerhalb des hessischen Grรผndungs- und Innovationsรถkosystems und setzen zusรคtzliche Impulse fรผr KI-basierte Ausgrรผndungen aus den Hochschulen.
Der KI-Sonderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und geht an Kevin Grรผning und Siddhartha Yash Kovid von der Justus-Liebig-Universitรคt Gieรen mit dem Projekt โPRISMโ.
Das Team von โPRISMโ sucht Hochleistungsmaterialien fรผr saubere Energie, Raumfahrt und Medizin. Die Grรผnder haben dafรผr eigene KI-Modelle entwickelt, die Hypothesen fรผr neue Werkstoffe aufstellen. Diese Vorschlรคge sollen kรผnftig in automatisierten Laboren direkt getestet werden. Die Jury lobte die Verbindung zweier fรผr Hessen bedeutender Zukunftsfelder: Materialforschung und Raumfahrt. โPRISMโ leiste damit einen wichtigen Beitrag zum Transfer KI-gestรผtzter Forschung in die Realitรคt.
In diesem Jahr waren 32 Teams aus 14 Hochschulen nominiert. Gutachterinnen und Gutachter haben die Projekte bewertet. Parallel konnte man online fรผr seine Lieblingsidee abstimmen. Auf diese Weise kamen elf Geschรคftsideen ins Finale und prรคsentierten sich vor einer Jury, die รผber die Preistrรคgerinnen und Preistrรคger entschied.
รber โHessen Ideenโ
Hessen Ideen ist die zentrale Landesinitiative des Hessischen Ministeriums fรผr Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur zur Fรถrderung von Grรผndungsideen aus hessischen Hochschulen. Unter der Schirmherrschaft von Wissenschaftsminister Timon Gremmels vernetzt Hessen Ideen die Grรผndungsfรถrderungen an den Hochschulen und begleitet Grรผndungsinteressierte auf ihrem Weg von der Idee zum Unternehmen mit dem Hessen Ideen Wettbewerb und dem Hessen Ideen Stipendium. Die Initiative wird von UniKasselTransfer an der Universitรคt Kassel in Kooperation mit HIGHEST an der Technischen Universitรคt Darmstadt koordiniert.ย Mehr Infos via https://hessen-ideen.de/.
