Industry List: Hidden Champion für spezielle Teilchen
Die Gründer von Industry List (v.l.n.r.): Jonathan Meier, Patrick Biermann und Maik Schwarz (Foto: Industry List)

ChemSquare, CargoSteps oder Swarm sind gute Beispiele für digitale Hidden Champions aus FrankfurtRheinMain, die mit ihren jeweiligen Geschäftsmodellen etablierten Unternehmen in klassischen Industriezweigen einen echten Nutzwert bieten und sich mit ihren Lösungen inzwischen unentbehrlich gemacht haben. Mit Industry List steht ein weiteres Startup aus dieser Kategorie in den Startlöchern. Wir haben mit Co-Founder Maik Schwarz über Idee und Vision hinter der Plattform gesprochen.

Maik, schieß los – euer Elevator-Pitch, bitte! 

Wir entwickeln mit Industry List eine cloudbasierte B2B-Herstellersuchplattform. Sie soll Produktentwicklern ermöglichen, schnell und effektiv Fertigungsbetriebe für Bauteile nach Zeichnung zu finden. Wir verstehen uns als Vermittlungsplattform zwischen Fertigungsbetrieben auf der einen Seite und Produktentwicklern auf der anderen Seite. In diesem Matchmaking-Prozess möchten wir die Leistungen der Fertigungsbetriebe für die Suchenden so detailliert und übersichtlich wie möglich gestalten.

Das klingt sehr spezifisch. Wie kommt man denn auf ein solches Geschäftsmodell?

Meine beiden Mitgründer Jonathan Meier und Patrick Biermann haben gemeinsam in der Produktentwicklung gearbeitet und selbst die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, den richtigen Fertigungsbetrieb zu finden. Aus diesem Problem heraus ist die Idee zu Industry List entstanden.

An welche Unternehmen und Branchen richtet sich Industry List?

Unsere Kunden kommen vor allem aus dem produzierenden Gewerbe. Darunter fallen beispielsweise Ingenieur- und Entwicklungsbüros, Architektur- und Designagenturen sowie Hersteller von Produkten für Endkunden, wie z.B. Möbel- oder Leuchtenhersteller.

Welchen Mehrwert bietet ihr euren Kunden?

Bleiben wir beim Beispiel eines Leuchtenherstellers: Jede Leuchte setzt sich aus Standardteilen wie Schrauben oder Muttern und Bauteilen nach Zeichnung zusammen. Bauteile nach Zeichnung sind diejenigen Teile einer Leuchte, die von den Produktentwicklern des Leuchtenherstellers entworfen werden. Um diese Bauteile produzieren zu lassen, benötigen Leuchtenhersteller eine Vielzahl an Fertigungsbetrieben.

Lass mich raten: Da kommt ihr ins Spiel.

Industry List setzt genau an diesem Punkt an. Auf unserer Plattform können Produktentwickler schnell und effektiv Fertigungsbetriebe für die Produktion der Bauteile nach Zeichnung finden.

Wie gestaltet sich der Prozess auf eurer Plattform aus Kundensicht genau?

Im ersten Schritt können Produktentwickler über einen detaillierten Suchfilter alle relevanten Fertigungskriterien für ihr Bauteil definieren: Werkstoff (wie Metall oder Kunststoff), Stückzahl (wie Prototypen oder Kleinserie), Fertigungstechnologien (wie Stanzen oder Fräsen) und viele weitere. Im zweiten Schritt werden anhand der Suchkriterien passende Hersteller angezeigt. Diese können immer weiter gefiltert werden, um ein zielgerichtetes Ergebnis zu erhalten. Die angezeigten Profile können daraufhin aufgerufen und eine Auftragsanfrage gestellt werden.

So helft ihr also bei der Digitalisierung des Prozesses für beide Seiten. Welche Erfahrungen habt ihr denn mit dem Digitalisierungsgrad der deutschen Industrie gemacht?

Der Industrie im deutschsprachigen Raum geht es glücklicherweise sehr gut. Unsere Marktanalyse hat allerdings ergeben, dass digitale Präsenzen von Fertigungsbetrieben des verarbeitenden Gewerbes nur (sehr) marginal bis gar nicht vorhanden sind. In Interviews mit Produktentwicklern konnten wir zudem feststellen, dass viele Hersteller von Endprodukten aus den produzierenden Unternehmen eine Herausforderung gemeinsam haben: Die Suche nach Fertigungsbetrieben für die Produktion von Bauteilen gestaltet sich oftmals schwierig und somit zeit- bzw. kostenintensiv. Diese Erkenntnisse waren entscheidend für uns, eine digitale Suchplattform zu entwickeln, auf der produktentwickelnde Unternehmen effizient Fertigungsbetriebe finden können.

Wird es Deutschland im Zuge der rasant fortschreitenden Digitalisierung schaffen, eine führende Industrienation zu bleiben?

Ob und inwieweit Industrieunternehmen ohne Rücksicht auf den Digitalisierungsfortschritt marktreif bleiben, können wir nicht beantworten. Wir sind der Überzeugung, dass der technische Fortschritt den Menschen nie ersetzen wird, aber das Arbeitsleben enorm erleichtern und verbessern kann. Insofern sehen wir in der Zukunft noch sehr viel Potenzial.

Zurück zu euch: Wo wollt ihr mit Industry List mittelfristig hin?

Wir arbeiten mit hohem Engagement daran, dass sich Industry List in den kommenden Jahren im deutschsprachigen Mittelstand etabliert und darüber hinaus in mehreren europäischen Ländern Anwendung findet.

Dabei könnt ihr sicher Unterstützung gebrauchen. Wie gestaltet sich denn eure Finanzierungssituation im Moment?

Wir sind aktuell noch ein Projekt der TU Darmstadt und finanzieren uns über das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Eines unserer nächsten großen Ziele ist die Sicherstellung einer Anschlussfinanzierung. Hierfür evaluieren wir staatliche Förderprogramme ebenso wie die Beteiligung von Investoren – oder auch eine Kombination aus beidem.

Was verbindet euch persönlich mit der Region FrankfurtRheinMain? Und wie seht ihr unsere Startup-Szene?

Wir sind alle drei in Frankfurt und Umgebung aufgewachsen, haben unsere akademischen sowie beruflichen Wege hier eingeschlagen und Familien gegründet. Man kann zurecht behaupten, dass uns das wirtschaftliche und kulturelle Wohl der Region persönlich am Herzen liegt. Daher freuen wir uns, Teil einer Community zu sein, die wächst und durch Programme wie den Unibator der Goethe Universität Frankfurt, Unterstützung findet.