WeWork Labs: Deutschland-Chef David Wohde im Interview

Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass WeWork sein hauseigenes Förderprogramm für Startups nun auch in Deutschland einführt. Die beiden Standorte Hamburg und Frankfurt werden zukünftig von David Wohde, bislang als Co-Founder des Frankfurter Startups Acomodeo bekannt, geleitet. Wir haben mit ihm über seine berufliche Veränderung gesprochen und wollten wissen, was sich Gründer von WeWork Labs erhoffen dürfen.  

David, du hast Acomodeo 2015 gemeinsam mit deinem damaligen Mitbewohner Eric-Jan Krausch gegründet. Ihr habt Acomodeo zu einem der Marktführer im Bereich Serviced Apartments entwickelt und wurdet kürzlich für den German Accelerator ausgewählt. Warum verlässt du gerade jetzt das Unternehmen?

Die dreieinhalb Jahre mit Acomodeo waren in der Tat sehr erfolgreich. Das wird beispielsweise daran deutlich, dass wir drei große DAX-Konzerne als Kunden gewonnen haben. Das ist die größtmögliche Bestätigung für unser Konzept und unsere Software. Meine persönliche Sicht ist: Wir haben nun ein Level an Reife erreicht, auf dem ich bedenkenlos aussteigen kann. Und ich weiß, dass ich ein Team zurücklasse, das auch ohne mich bestens funktionieren wird.

Wie geht es bei Acomodeo ohne dich weiter? Wirst du dem Unternehmen in irgendeiner Rolle erhalten bleiben?

Acomodeo verfügt über eine gute Führungsstruktur in den verschiedensten Bereichen. Das ist eine hervorragende Basis, um weiter wachsen zu können, auch in der Führungsebene. Operativ werde ich mich ganz zurückziehen, als Berater und Gesellschafter bin ich aber nach wie vor eng mit Acomodeo verbunden.  

Mit der Leitung der WeWork Labs wechselst du in ein komplett anderes Themenfeld. Wo gibt es für dich Anknüpfungspunkte?

Ich wollte die Möglichkeit nutzen, ganz bewusst etwas Neues zu machen. Schon während meiner Zeit als COO bei Acomodeo habe ich angefangen, jungen Unternehmern in der Frühphase ihrer Gründung zu helfen. Ich habe schnell gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, meine Erfahrungen so weiterzugeben, dass andere dadurch einen Schritt nach vorne machen. WeWork Labs bietet mir den perfekten Rahmen, genau diese Tätigkeit nun institutionalisiert umzusetzen.

Wie kam der Kontakt zustande?

Ich habe mich seit dem Sommer Stück für Stück bei Acomodeo zurückgezogen und angefangen, kleinere Beratungsprojekte beim German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) umzusetzen. WeWork sitzt im gleichen Gebäude und so kam ich mit der WeWork-Community in Kontakt. Auf WeWork Labs wurde ich wiederum durch einen Bekannten aufmerksam. So hat eines das andere ergeben und nun bin ich hier.

Warum kommt WeWork ausgerechnet zuerst nach Frankfurt?

In Frankfurt und Umgebung finden wir ein grundsätzlich spannendes Ökosystem vor, das sich positiv und rasant entwickelt. Insbesondere in den Bereichen Fintech, Blockchain und Artificial Intelligence gibt es hier riesiges Potenzial. Zudem gibt es in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet noch genügend Raum, um auch andere Themen zu entwickeln und voranzutreiben. In Berlin beispielsweise sind die Möglichkeiten deutlich eingeschränkter, das Ökosystem dort ist vergleichsweise überlaufen. Nicht zu vergessen die Nähe zur Industrie –  ein weiterer, entscheidender Aspekt, der den Gründerstandort Frankfurt stark macht.

Für welche Startups kommt WeWork Labs infrage?

Wir möchten vor allem Startups in der Frühphase unterstützen. Die Zusammenarbeit kann schon in der Ideation beginnen, aber auch Gründungen in der Pre-Seed-Phase zählen noch zur Zielgruppe. Idealerweise hat das Startup höchstens zehn Mitarbeiter, ein skalierbares Geschäftsmodell und eine internationale Ausrichtung, um das globale WeWork-Netzwerk ausschöpfen zu können. Branchenfokus gibt es keinen, hier sind wir für alles offen.

Wie sieht die Umsetzung von WeWork Labs in der Praxis aus?

Wichtig ist uns vor allem, dass es keine zeitliche Begrenzung gibt, WeWork keine Anteile an den Startups hält oder Investments tätigt. Wir sehen WeWork Labs als Förderplattform, die so flexibel wie möglich sein soll. Unser Ziel ist es, jedem teilnehmenden Startup ein personalisiertes Programm zuzuschneiden.

Wie könnte ein solches Förderprogramm aussehen?

Wir haben vier zentrale Säulen, die wir individuell anpassen: Die erste Säule ist “Education” und beinhaltet Workshops zu klassischen Unternehmerthemen wie Vertragswesen oder Vertriebsaufbau. “Mentoring” meint die engmaschige Betreuung durch erfahrene Experten aus der Praxis. Der Aspekt “Community” zielt auf eine Vernetzung der Startups untereinander ab, da sie gerade in der Frühphase ihrer Gründung vor ähnlichen Herausforderungen stehen. “Exposure”, die letzte Säule des Programms, beschreibt unsere Rolle als “Türöffner”: Wir wollen die Startups mit den richtigen Leuten in Kontakt bringen und Kollaborationen fördern.

Wann geht WeWork Labs offiziell an den Start? Und welche Startups und Partner habt ihr schon an Bord?

Los geht es offiziell am 1.März 2019, wir helfen aber jetzt schon, wo man kann. Wir arbeiten beispielsweise eng mit FRAMEN zusammen, die in unserem Frankfurter Coworking Space zuhause sind. Weitere Startups sind Chefslist aus dem Unibator oder Brainbrew, die gerade die erste Charge ihres neuartigen Koffein-Drinks produziert haben. Neben zahlreichen Mentoren aus dem internationalen WeWork-Netzwerk arbeiten wir auch mit regionalen Playern wie beispielsweise dem Startup Weekend Mittelhessen sowie verschiedenen Inkubatoren und Accelerator-Programmen zusammen.

Weitere Informationen unter WeWork.com/Labs. Interessierte Startups oder interessierte Partnerunternehmen können Sich auch direkt per Mail an David Wohde wenden: David.wohde@wework.com.

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