Andi Thümmler im Interview: “Mal einen großen Bembel vernichten”

200+ E-Mails am Tag 😊⚡️🤪” bekommt Andreas Thümmler nach eigenen Angaben. Smileys inklusive. Umso erfreulicher, dass sich der Tech-Experte und wohl bekannteste Dealmaker Frankfurts für STATION die Zeit genommen hat, schriftlich einige Fragen zu beantworten. Das garnierte Portrait einer echten Marke, deren Versprechen nach wie vor lautet: Work hard, play hard.

Andreas, für die Wenigen, die dich nicht kennen: Wer bist du und was machst du?

Ich bin wohl einer der Top Technology M&A Dealmaker in Deutschland. Hunderte von tollen Deals gemacht mit meiner Truppe und immer da, wenn es was zu tun gibt!

Deine Truppe, das ist dein Unternehmen ACXIT, eine M&A-Boutique aus Frankfurt. Welche Rolle spielt ihr in unserem Startup-Ökosystem?

Wir besorgen Wachstumsfirmen Venture Capital oder Private Equity Kapital, helfen bei Akquisitionen auch international und am Ende des Zyklus arrangieren wir den Firmenverkauf an den meistbietenden strategischen Partner weltweit.

Hört man sich in Frankfurt um, wer die hiesige Startup-Szene über viele Jahre entscheidend mitgeprägt hat, fällt immer wieder der Name Andreas “Andi” Thümmler. Vor allem natürlich, weil er bis heute große Deals im Tech- und Digital-Bereich abwickelt. Laut Capital beläuft sich das Gesamtvolumen der M&As, an denen Thümmler seit 1998 beteiligt war, auf 20 Milliarden US-Dollar.

Welche bekannten Startups aus unserer Region habt ihr in eurer Rolle betreut?

In Frankfurt haben wir zum Beispiel mal ein Start-up namens Star21 betreut und auf fast eine Milliarde hochfinanziert, bevor wir für die Gründer den Exit an US-Investoren arrangiert haben.

Gibt es sonst noch einen Deal, den du ganz besonders in Erinnerung hast?

Ach, da sind so viele coole. Jamba, Zanox, Brands4Friends, Xing…

Hinter dem Tech-Fokus von ACXIT steckt auch eine persönliche Leidenschaft. Thümmler selbst war sozusagen Hacker der ersten Stunde. “Mit irgendwas musste man ja als Kind sein Taschengeld aufbessern”, so der 47-Jährige zu seinem ersten “Job”. Diese Begeisterung spiegelt sich auch in der GrowthCon wider, die Thümmler 2013 ins Leben rief. Die Veranstaltung gehört heute zu den wichtigsten Fachkonferenzen in der Region und ist laut Thümmler das “sympathischste Tech-Klassentreffen seiner Art”. Daneben zeichnet sich die GrowthCon laut ihrem Begründer durch drei zentrale Elemente aus: Dealflow, Power Networking – und natürlich Party.

Andi, du als echter Nerd: Was glaubst du, welche Technologien werden in den nächsten fünf Jahren besonders erfolgreich sein?

Autonomes Fahren und Fliegen (mit Drohnen) finde ich sehr geil. Keine Zeit mehr, mich auch noch um den Verkehr zu kümmern. Wie gehts euch da? Also, da wird es Zeit jetzt.

Thümmler als Gastgeber der GrowthCon 2018

Puh, wir werden gerade mal mit der Blockchain einigermaßen warm. Wie schätzt du  als erfahrener Dealmaker hier das Potenzial ein?

„Blockchain“ ist so ein Buzzword wie damals „ASP“ oder „XML“. Show me how to make money, business models. Die sind entscheidend.

Apropos “making money”: Gibt es genug Kapital, um den Innovationsstandort Frankfurt Rhein Main entscheidend voranzubringen?

Es gibt Investoren und Kapital en masse. Da sehe ich keinen Engpass.

Beruflich hat Thümmler in den schillerndsten Metropolen dieser Welt zu tun und ist ständig unterwegs. In Frankfurt allerdings ist die “Kultfigur der deutschen Techbranche”, wie ihn die Capital nannte, tief verwurzelt. Auch durch seine Investmentfirma VCDE, die er 2008 gründete, hat Thümmler einen exzellenten Einblick in die lokale und regionale Innovations- und Gründerszene.

Wie schätzt du den Gründerstandort Frankfurt ein, gerade im Vergleich zum vermeintlichen Hotspot Berlin?

Eigentlich ist alles da. Und es entwickelt sich ja auch viel, das Techquartier, die GrowthCon als Techevent. Frankfurt zieht halt in erster Linie viele junge Banker und Investment Banker an. Aber das ist kein Widerspruch. Das Rhein-Main Gebiet ist schon ein großer Cluster.

Inwieweit könnte der Finanzplatz Frankfurt auf lange Sicht ein Standortvorteil sein? Und wie beurteilst du die Innovationskraft der großen Banken?

Fintech und Frankfurt passen gut zusammen. Die großen Finanzkonzerne werden wohl eher aussterben, aber neue kommen wieder hoch, die viel innovativer sind. Die “Dibadibadu” hat es doch zum Beispiel ganz gut gemacht!

Angesprochen auf seine eigene Vergangenheit in der Finanzbranche berichtete Thümmler in einem Interview einst, dass er als Investmentbanker, eingepfercht in einem Büro ohne Fenster, irgendwann zum Vampir mutiert ist. Dies war auch der Grund, warum er sich 1998 mit seiner eigenen Firma CFP selbstständig machte. Im Jahr 2011 erklomm Thümmler schließlich die wohl höchste Stufe der beruflichen Selbstverwirklichung und machte aus seinem Hobby ein Business: In seinem unterfränkischen Heimatort Rüdenau, einer 750-Seelen-Gemeinde unweit der hessisch-bayerischen Landesgrenze, baute er mit St. Kilian Distillers die größte Whisky-Brennerei Deutschlands.

Wenn du noch einmal die Wahl hättest – würdest du dich voll und ganz auf den Whisky fokussieren? Und wohin geht die Reise mit St. Kilians?

Viele Wege führen nach Rom. Whisky ist aus einem Hobby entstanden, dem Sammeln und Trinken von gutem Single Malt Whisky. Vielleicht wird St. Kilian später mal sowas wie das deutsche „Suntory“ (Japans größte Whisky-Brennerei und drittgrößtes Spirituosenunternehmen der Welt, Anm. d. Red.). Im nächsten Leben werde ich aber wohl eher wieder eine intergalaktische Aufgabe wahrnehmen. Die Erde ist ein sehr schöner Planet, aber die Pflicht ruft.

Andreas Thümmler, Unternehmer und Visionär. Wenn einer den goldenen Tipp für eine erfolgreiche Work-Life-Balance parat hat, dann wohl er. Oder?

Andreas, welchen guten Rat möchtest du jungen Unternehmern unbedingt mit auf den Weg geben?

Bei all der harten Arbeit nicht den Spaß zu vergessen und immer auch das Menschliche im Auge behalten. Im Apfelwein Wagner in Sachsenhausen mal einen großen Bembel vernichten oder bei St. Kilian Distillers (45 Min. vom Frankfurter Kreuz) mit Freunden oder seinem Team eine Führung mit Tasting buchen. Mein Motto war und ist: Work hard, play hard.