Go Crush: Über ein paar Bierchen locker zur Hochzeit

Die Gründer von Go Crush wollen nicht weniger, als den Markt der Dating Apps gehörig aufmischen. Im Vergleich zu anderen Anbietern wie Tinder setzt das Frankfurter Start-Up auf Gruppen-Dates, um ein entspanntes Kennenlernen zu ermöglichen. Bislang ist die App in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Köln, Wiesbaden, Mainz und im Ruhrgebiet verfügbar. Etwa 20.000 Menschen nutzen das Angebot, mehr als 1.200 Gruppentreffen haben schon stattgefunden. Was das Erfolgsgeheimnis von Go Crush ist, hat uns Co-Founder Lukas Reinhardt im Interview verraten.

Lukas, bitte erkläre uns doch in drei Sätzen, welche Idee hinter Go Crush steckt.

Go Crush ist eine Dating App und verspricht entspanntes Kennenlernen ohne Chatten – und zwar direkt vor Ort. So wird aus online ganz schnell offline: Die unkomplizierten Treffen finden in 4er- oder 6er-Gruppen in einem von der App vorgeschlagenen Restaurant statt und folgen selbst festgelegten Themen, wie zum Beispiel “Fotografie-Liebhaber”, “Frauentreff” oder “Spieleabend”.

Wie kam eure Geschäftsidee zustande? Waren es auch persönliche Erfahrungen, die euch motiviert haben, ein neues Dating-Konzept auszutüfteln?

Ich hatte die Grundidee bereits im Herbst 2016. Frustriert von Apps wie Tinder oder Lovoo wollte ich schnell neue Leute im realen Leben kennenlernen. Das genaue Konzept mit Gruppentreffen haben wir dann gemeinsam Schritt für Schritt erarbeitet.

Wer gehört denn außer dir noch zum Gründerteam?

Das Gründerteam besteht aus Kai Burghardt, Joao Ferreira und mir. Kai und Joao sind beide App Entwickler, wobei sich Kai auf iOS konzentriert und Joao auf Android. Mein Hintergrund ist BWL. Ich kümmere mich vor allem um das Marketing und das Funding.

Lukas Reinhardt, Co-Founder und zuständig für Marketing und Funding.

Wer sind eure Nutzer? Was machen sie beruflich, wie alt sind sie?

Der Großteil der Nutzer ist über 25. Wir haben zur Überraschung der meisten Leute nicht sehr viele Anfang 20er in der App. Das durchschnittliche Alter ist 33, die Nutzer kommen aus allen erdenklichen Berufen, von der Unternehmensberaterin bis hin zum Postboten ist alles dabei. Es finden täglich Treffen zwischen Leuten in eigentlich allen Altersklassen über 25 statt. Viele Nutzer sind auch über 50. Spannend ist, dass wir mehr weibliche als männliche Nutzer haben, weil sich Frauen bei uns durch die Gruppensituation einfach sicherer fühlen, als bei den herkömmlichen Dating Apps.

Wenn wir das richtig verstehen, geht es bei Go Crush im ersten Moment auch gar nicht so sehr darum, einen Partner zu finden.  

Nein, überhaupt nicht. Die Atmosphäre bei den ersten Treffen ist eher so, wie wenn man mit ein paar Freunden gemeinsam in eine Bar geht und einfach gemütlich ein paar Bierchen trinkt. Ganz locker und ungezwungen. Am besten lernt man Leute in solchen Situationen kennen. Obwohl 80% der Singles Dating Portale nutzen, lernen sich 90% der Paare in entspannten Situationen wie beim Sport, in der Uni oder bei Partys kennen. Deswegen ist die Erfolgsquote bei Go Crush so hoch.

Von welchen Erfolgsstories könnt ihr berichten?

Wir haben von unvergesslichen Abenden erfahren, von dicken Freundschaften und festen Beziehungen, die entstanden sind – und es gab sogar schon eine “Go Crush Hochzeit”, von der wir wissen.

Kann man inzwischen offen sagen, dass man seinen Partner über eine Dating-App kennengelernt hat?

Online Dating ist auf jeden Fall in der Gesellschaft angekommen und akzeptiert. Keiner wird mehr komisch angeschaut, wenn er erzählt, dass er die Liebe online gefunden hat. Es wird immer schwieriger, Leute im alltäglichen Leben kennenzulernen. Dafür sind Dating Apps eine große Hilfe.

Die Go Crush App ist für iOS und Android verfügbar.

Ihr arbeitet mit Partnerlocations zusammen, in denen die Verabredungen stattfinden. Wie sieht hier das Kooperationsmodell aus?  

Unsere Partnerlocations sind über 300 Restaurants und 50 Aktivitätenpartner in 10 verschiedenen Städten. In diesen Locations finden dann die Go Crush Treffen statt. Die Locations zahlen uns für die Vermittlung eine kleine Provision pro Gast.

Habt ihr euch bislang ausschließlich selbst finanziert? Oder sind Investoren an Bord?  

Im ersten Jahr haben wir uns noch aus eigenen Mitteln finanziert. Seit April dieses Jahres sind sechs Business Angels an Go Crush beteiligt.

Worin seht ihr die Vor- und Nachteile am Gründerstandort Frankfurt?

Ich sehe eigentlich keinerlei Nachteile am Gründerstandort Frankfurt, außer vielleicht hohe Mietpreise. Ansonsten hat Frankfurt eigentlich alles zu bieten. Es gibt viele tolle Programme und Veranstaltungen für Startups und eine aktive Investorenszene. Die Startups sind super gut untereinander vernetzt und helfen sich gegenseitig. Außerdem gibt es weniger Konkurrenz um gute Software-Entwickler als beispielsweise in Berlin.

Wie empfindet ihr den Austausch mit dem Ökosystem insgesamt?

Der Austausch ist meines Erachtens super. Gerade durch den Unibator, den Startup Inkubator der Goethe Uni, in dem wir seit einem Jahr sind, wird der Austausch durch allerlei Programme, Pitches und Veranstaltungen gefördert.

Welche Schritte habt ihr für die Weiterentwicklung von Go Crush als nächstes geplant?

Aktuell liegt der Schwerpunkt darauf, Premium Features in die App einzubauen, damit wir auch unsere Nutzer monetarisieren können. Die App ist aber nach wie vor auch ohne Einschränkungen kostenlos nutzbar. Außerdem wollen wir Go Crush schon bald im deutschsprachigen Ausland launchen.