5 Fragen an… We are KAL
Gründerin Catherine Allié (ganz rechts) in Indien. (Foto: We are KAL)

Mit ihrem nachhaltigen Fashion-Konzept hat es Catherine Allié aus dem Landkreis Miltenberg bereits auf die Forbes-Liste 30 under 30 geschafft. Von Deutschland aus und vor Ort steuert die 29-Jährige die Herstellung und den Vertrieb von fairen Kleidungsstücken aus indischer Wolle und Eriseide. Worauf das Unternehmen in der Vermarktung besonderen Wert legt und welche Herausforderung die Gründerin und ihr Team als nächstes meistern wollen – 5 Fragen an Catherine Allié von We are KAL.

Wer seid ihr, was macht ihr und wie seid ihr zu dem gekommen, was ihr heute macht?  

Wir sind Catherine, Angtak und ein Team von weiteren 16 Leuten, die aus den natürlichen Rohstoffen Wolle und Eriseide einzigartige Textilien herstellen.

Ich, Catherine, habe mich Anfang 2014 auf eine Recherche in meiner damaligen Heimat Indien begeben, um herauszufinden, ob es denn noch Gemeinschaften gibt, die Naturtextilien selbst und von Hand herstellen. Denn in der Regel sind  zahlreiche Schritte der textilen Kette sind nicht mehr lokal, beinhalten viele chemische Stoffe und werden oft nur noch in Zentren hergestellt. Ein weiterer spannender Aspekt war für mich die Arbeit von zu Hause, da sie eine tolle Flexibilität bietet.

Mit viel Geduld habe ich in den letzten fünf Jahren ein tolles Team aus Spinnern, Webern und Färbern aufgebaut aus den Regionen Ladakh, Himachal Pradesh und Assam in Indien. Während meiner Recherche habe ich auch meinen Partner Angtak kennengelernt, der aus einer kleinen Nomadengemeinschaft in den Himalayas stammt, von wo wir unsere Wolle beziehen.

Wie würdet ihr eure Geschäftsidee in maximal 3 Sätzen beschreiben?  

We are KAL ist ein Unternehmen mit Schwerpunkt auf handgesponnene und handgewebte Textilien. Unsere Hauptrohstoffe sind die Wolle der Kharnak-Nomaden in Ladakh und Eriseide aus Assam in Indien. Durch die Schaffung einer transparenten Lieferkette offenbaren wir unsere Arbeitsschritte und stellen zudem die Menschen vor, die hinter der Herstellung unserer Textilien stecken.

Was war eure bisher größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung sind die kleinen Momente, in denen man zweifelt und sich fragt, ob es denn Sinn macht. Hier setzt sich dann glücklicherweise immer wieder der starke Wille durch, weiterzumachen und an seine Arbeit zu glauben.

Momentan stehen wir auch vor einer anderen, großen Herausforderung: Wir haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um unser Ziel zu verwirklichen, eine eigene Anlage zur Wollverarbeitung nach Ladakh zu bringen. Konkret benötigen wir eine Kardiermaschine für Schafwolle und eine Enthaarungsmaschine für Yakwolle. Diese trennen die groben Haare von der feinen Wolle. Unsere Kampagne läuft noch bis zum 3. Juli – von unserem Ziel, 15.000 Euroeinzusammeln, haben wir bereits ein Drittel erreicht!

Wo seht ihr euch und euer Unternehmen in fünf Jahren?

Wir wollen weiterhin mit Wolle aus Ladakh und Eriseide aus Assam arbeiten. Unser großes Ziel ist es, die Textilkünste an die nächste Generation weiterzugeben und die jungen Leute zu motivieren, die Arbeit fortzuführen.

Was unsere Produkte betrifft, wünsche ich mir, dass wir die kulturell bedeutenden Textilien erfolgreich mit in unsere Kollektion aufnehmen. Es gibt einige Textilien, die aufgrund fehlender Kunden oder Nutzen nicht mehr gewoben werden, aber einen großen kulturellen Wert besitzen.

Was verbindet euch mit der Metropolregion Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet? Und was tut sich in unserem Startup-Ökosystem?

Es ist meine Heimat. Ich komme ursprünglich aus Bürgstadt in Unterfranken und das ist auch weiterhin unser deutscher Standort und mein Teil-Zuhause. Es ist ein Paradies und ich genieße es jedes Mal, dort zu sein. Ich fände es toll, wenn sich auch weitere junge Start-Ups in den ländlichen Regionen ansiedeln, sodass auch dort eine „Mini-Startup-Kultur“ entsteht.