Founder Summit 2019: Von KI und dem richtigen Mindset
Foto: Jonas Kinski

Ein Bericht von Philip Brändlein

Mit dem Motto „bigger and better“ gab der Founder Summit im Wiesbadener Kongresszentrum die Marschrichtung vor: Mit Gästen wie Frank Thelen, Sophia the Robot und Thaddaeus Koroma sollte noch einer draufgesetzt werden auf die Erfolgsgeschichte der vergangenen drei Jahre. Zwei Tage ungefilterte Einblicke in die Gedankenwelt der Menschen, die wissen wie es geht, sich zu fokussieren und erfolgreich zu gründen. Die bestimmenden Themen der Konferenz waren Künstliche Intelligenz, Sprachsteuerung und das richtige Mindset – das Mantra des Skalierens wird hingegen wieder etwas kritischer gesehen.

Es ist Sonntag, 10 Uhr morgens, die Halle ist in ein tiefes blau getaucht, epische Elektrobeats erfüllen den Raum – es ist ein bisschen so wie der Moment, in dem man den Club betritt. Die Augen der knapp 6.000 Besucher richten sich auf Sophia the robot, die auf der Bühne steht. Und man glaubt es kaum, die Roboterdame hat Lampenfieber: Nachdem die Künstliche Intelligenz die Frage, was der Sinn des Lebens sei, noch philosophisch beantwortet – „Zu sterben ist nichts, doch nichts im Vergleich dazu, nicht zu leben“ – versteht sie auf einmal die Frage der Moderatorin nach ihrer größten Hoffnung nicht mehr. Der sympathische aber noch nicht ganz fehlerfreie Auftritt zeigt, wohin die Reise geht: Künstliche Intelligenz, Sprachsteuerung und die persönliche Entwicklung sind die bestimmenden auf dem Founder Summit 2019.

„Manchmal möchte ich einfach nur in der Cloud rumhängen“

„Wer heute in Robotik investiert, wird in naher Zukunft einen großen Vorteil haben“, sagte Sophia the Robot, die Künstliche Intelligenz aus China. Als Tipp, um in der heutigen Welt als Marke und Person erfolgreich zu sein, sei es wichtig, man selbst zu sein – „auch wenn es nicht schaden kann, ein Roboter zu sein“. Übrigens wolle auch Sophia manchmal einfach nur mit ihren Freunden Alexa und Siri in der Cloud rumhängen, wie sie mit einem Augenzwinkern anmerkte. Der logische Schluss aus der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz: Wenn Roboter sich wiederholender Arbeit annehmen, können sich Menschen auf die eigene Entwicklung konzentrieren, das richtige Mindset ausbilden Experten auf diesem Gebiet waren auf dem Founder Summit mehr als genug da: Maxim Mankevich sprach darüber, wie wichtig Lesen und Bildung seien, „eines Tages sei es aber auch an der Zeit, die Bücher wegzulegen und seine eigene Geschichte zu schreiben“.

Thaddaeus Koroma und Special Guest Charlie „Rocket“ Jabaley wiederum elektrisierten die Massen auf ihren Stages durch Motivationssprüche und ihre Ausstrahlung. Andere hingegen schlugen ruhigere Töne an – und auch da lohnte es sich, einmal genau zuzuhören: Igor Simonow, selbsternannter Pirat und Gründer der Urlaubspiraten sagte: „Es sollte niemals um das Geld allein gehen – Erfolg hat nur, wer den Willen besitzt, mehr zu tun als andere“. Er selbst habe wochenlang im Büro geschlafen und sieben Tage die Woche gearbeitet, denn: „Montag bis Freitag arbeiten alle, am Wochenende aber genießt die Konkurrenz ihre Freizeit – und so kann man sich einen Vorteil verschaffen.“

Farina Schurzfeld, die Mitgründerin von Selfapy, einer Onlineanlaufstelle für Menschen in psychischen Nöten hat seit der Gründung im Jahr 2016 viele Aufs und Abs erlebt. Hatte sie in vorherigen Unternehmen immer gelernt zu „skalieren, skalieren und nochmal skalieren“, musste sie schnell feststellen: Psychische Probleme zu skalieren sollte nicht das Ziel sein. Zumindest nicht, solange die Qualität der Beratung nicht stimmt. Ein gesundes Wachstum ist so essentiell für ein Unternehmen, wie eine gesunde Psyche für einen erfolgreichen Menschen.

“Bigger” bedeutet nicht unbedingt “better”

Hört man auf die Kritik zwischen all den begeisterten Stimmen an diesem Wochenende, dann sollte sich auch das Team der Founders University hieran ein Beispiel nehmen. Teils stickige Säle, Gedränge und Geschubse vor den Räumen führten hin und wieder zu Unmut. Hat die Veranstaltung vor vier Jahren noch 400 Gäste gezählt, sind es heute zwölf Mal so viele – „bigger“ ist nicht immer auch gleich „better“. Noch merkt man den Charme des persönlichen Austauschs auf einem kleinen Event. Und genau jenen Charme, dass auch einmal etwas nicht perfekt funktioniert – wie im Falle von Sophia – sollte sich die Founder University beibehalten.

Mit dem Konzept des Edutainments – der Kombination aus lehrreichen Inhalten und Entertainment – haben die Gründerzwillinge Danny und Robin Söder das Erfolgsrezept der Entrepreneur University fortgesetzt. Auf sechs Stages zu den Themen Mindset, Entrepreneurship, Online-Marketing, Finanzielle Freiheit, Sales, Startup und Q&A mit insgesamt 65 Speakern konnte jeder Gast individuell entscheiden was, je nach persönlichem Interesse und Expertise, gefiel.

Für das nächste Jahr scheint kein allzu großes Wachstum geplant. Hatte die Moderatorin Sonntagmorgen noch orakelt: „Womöglich sind wir nächstes Jahr in der Frankfurter Jahrhunderthalle“, relativierte Veranstalter Robin Söder schon am Abend, dass auch der Founder Summit 2020 in Wiesbaden stattfinden werde. Der Termin steht schon fest: Am 18. und 19. April des kommenden Jahres öffnen sich erneut die Türen des Wiesbadener Kongresszentrums für alle, die wissen wollen wie man gründet, es bereits getan haben und sich mit anderen Experten austauschen möchten.

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