Creathor-Partner Weniger: “Das Selbstbewusstsein wächst”
Christian Weniger, Partner bei Creathor. (Foto: Creathor)

Gegründet im Jahr 2003 als Nachfolgegesellschaft der Technologieholding VC, deren Anfänge bis ins Jahr 1984 zurückreichen, kann Creathor Ventures aus Bad Homburg auf eine lange Tradition zurückblicken. Heute verwaltet Creathor mehr als 230 Millionen Euro und unterstützt über 30 Unternehmen bei den Themen Entwicklung, Wachstum und Internationalisierung. Bei der Auswahl der Startups, die für ein Investment infrage kommen, fokussiert sich das Team um Partner Christian Weniger auf ganz bestimmte Kriterien. Wir haben mit ihm gesprochen.

In mehr als 30 Jahren hat Creathor gut 200 Unternehmen aus dem europäischen Startup-Ökosystem finanziert, 20 konnten sogar an internationale Börsen gebracht werden. Zuletzt floss beispielsweise eine Million Euro in das Startup Serinus. Der Software-Spezialist aus dem nordrhein-westfälischen Hagen sorgt mit seiner Lösung dafür, dass in einem Krisenfall in Unternehmen oder auch Pflegeeinrichtungen alle relevanten Personen sowie Einsatzkräfte unmittelbar alarmiert werden. Zudem führt die Software durch die erforderlichen Abläufe, die im Ernstfall einzuhalten sind.

Serinus dient als gutes Beispiel für die Investment-Vorlieben von Creathor: “Für unseren neuesten Fonds suchen wir ambitionierte Gründer, die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Herausforderungen mit Hilfe von Daten lösen”, erklärt Partner Christian Weniger. Ein Fokus liegt dabei  auf Geschäftsmodellen zur Digitalisierung und Personalisierung des Gesundheitswesens. Darüber hinaus investiert Creathor in Startups und Technologien, die die Automatisierung von Industrie und Wirtschaft vorantreiben, vor allem in den Bereichen Produktion, Luft- und Raumfahrt sowie Automobilindustrie.

“Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht”

“Wir investieren in der Regel initial zwischen 500.000 und 2,5 Millionen Euro, können jedoch über mehrere Finanzierungsrunden bis zu 10 Millionen Euro pro Unternehmen geben”, beziffert Weniger die Höhe der Investments sehr konkret. Das regionale Augenmerk liegt vor allem auf Startups aus Deutschland und der Schweiz, wo das Team mit einem Office in Zürich ebenfalls präsent ist. Zu den Portfolio-Unternehmen von Creathor gehören neben klangvollen Namen wie HeyJobs oder Doodle beispielsweise auch COBI aus Frankfurt.

Angesprochen auf die Entwicklung des Ökosystems FrankfurtRheinMain registriert Weniger insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren einen positive Trend, den er unter anderem an der wachsenden Zahl an Coworking Spaces und Acceleratoren sowie an den Finanzierungserfolgen von Startups aus der Region festmacht. “Mittlerweile kann man auch hier praktisch jeden Abend auf eine Veranstaltung mit Startup-Bezug gehen. Wir haben außerdem das Gefühl, dass im Ökosystem langsam, aber sicher ein gewisses Selbstbewusstsein wächst und auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht”, so der passionierte Läufer weiter.

“Zu wenige professionelle Investoren”

Durch eigene Formate wie den Open Coffee Club oder die Teilnahme an der Startup Safari trägt Creathor Ventures selbst zur Weiterentwicklung der regionalen Gründerszene bei. Das hilft zum einen, um Präsenz zeigen und mit spannenden Gründerpersönlichkeiten in Kontakt zu kommen. Darüber hinaus wolle man aber auch konkrete Hilfestellung geben, insbesondere was die Vermittlung wertvoller Kontakte betrifft. “Denn leider ist es so, dass es nach wie vor zu wenige professionelle Investoren in der Region gibt”, unterstreicht Weniger ein in vielen Ökosystemen vorherrschendes Problem.

Schade findet Weniger beispielsweise auch, dass es gerade im Healthcare-Bereich trotz exzellenter Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet kaum Absolventen gibt, die den Schritt in die Existenzgründung wagen. Dies hänge auch mit den allgemein guten Berufsaussichten zusammen, die etablierte Unternehmen jungen Talenten nach wie vor bieten können. Ausschließlich Nachteile will Weniger darin nicht sehen: “Wenn sich jemand zum Gründen hier entscheidet, ist er aber umso motivierter.”