Interview mit Manuel Müller, Gründer von Emma – The Sleep Company und “Hessen Champion”
Manuel Müller (l.) und Dr. Dennis Schmoltzi (r.)_Gründer und Geschäftführer von Emma - The Sleep Company (Foto: Moritz Reich 2019)

Den Jahresumsatz fast verdoppelt, im November 2019 ausgezeichnet mit dem Titel „Hessen Champion“ in der Kategorie Jobmotor und vier bis fünf neue Märkte pro Jahr: Das ist  Emma – The Sleep Company. Das Unternehmen aus Frankfurt stellt hochwertige Matratzen her – und ist damit international erfolgreich. Wir haben mit Mitgründer Manuel Müller über die Entwicklung von Emma, sein internationales Team und die Pläne für 2020 gesprochen.

Manuel, ihr blickt auf ein Jahr voller Superlative zurück. 2019 war für Emma ein Rekordjahr. Kannst du uns ein paar key facts nennen?

Mit Emma – The Sleep Company haben wir 2019 unseren Jahresumsatz auf 150 Millionen Euro fast verdoppelt, und das profitabel aus dem eigenen Cashflow heraus. Unser Erfolg liegt in erster Linie daran, dass unsere Expansionsstrategie aufgeht. Emma Produkte sind mittlerweile in 21 Ländern weltweit erhältlich, Wir erschließen seit 2016 von Frankfurt aus pro Jahr 4-5 neue Märkte und sorgen dafür, dass die Markenbekanntheit von Emma schnell steigt. In einigen Ländern liegt sie bereits bei rund 50 Prozent. Die Umsatzsteigerung ist dann kein Selbstläufer, doch die Weichen sind damit sehr gut gestellt. Man braucht natürlich auch ein hervorragendes Produkt. Wir freuen uns, dass die Emma One im September 2019 von Stiftung Warentest mit der Note 1,7 als Testsiegerin ausgezeichnet wurde (getestet in hart, 90x200cm,Heft 10/2019) und damit unsere RnD Kompetenz auch von einem unabhängigen Institut bestätigt wurde. Dies hat in Deutschland letztes Jahr sicherlich auch zu unserem Umsatzwachstum beigetragen.

Über 20 Länder in vier Jahren. Wie habt ihr das gemacht?

„Einfach machen“ ist auf jeden Fall ein Tipp, den ich anderen Gründern gerne gebe. Ganz im Sinn von MVPs (Minimum Viable Product). Jeder Launch in ein neues Land ist vergleichbar mit einem MVP. Dabei ist jeder Markteintritt anders. Mit den gesammelten Erfahrungen können wir konstant unser Geschäftsmodell optimieren. Selbstverständlich machen wir auch unsere Hausaufgaben und analysieren den internationalen Matratzenmarkt. Sowohl was die Player, als auch die Produkte und das Kaufverhalten der Konsumenten betrifft. Da Emma eine D2C-Marke ist, war es naheliegend zügig in online-affine Länder wie Großbritannien oder die Niederlande zu expandieren. Südeuropa ist für Emma ebenfalls attraktiv. Dort werden Matratzen jedoch gerne noch offline gekauft und wir kooperieren stärker mit Retail-Partnern. Eine unserer Stärken ist, dass wir Länderteams haben, die die individuelle Strategie für jeden Markt entwickeln und realisieren. Außerdem achten wir darauf, dass sich die einzelnen Märkte relativ schnell selbst tragen und wir insgesamt aus dem Cash-Flow operieren können. So agil wie wir im Alltag sind, sind Dennis und ich auch bei Entscheidungen. Wir halten 60% der Anteile am Unternehmen und können Opportunitäten direkt nutzen.  

Ihr bezeichnet euch als Tech-Startup, bei Matratzen nicht unbedingt der erste Gedanke. Was hat es damit auf sich?

Das hat zwei Gründe. Einerseits sind wir ein komplett digitales Unternehmen. Ob Finance, Operations & Logistics, Marketing oder HR – wir arbeiten in jedem Bereich mit teilweise selbst entwickelter Software, um alle Prozesse zu planen, zu steuern und zu kontrollieren. Ich schätze, dass unser Marketing-Attributions-Modell eines der besten am Markt ist. Der zweite Grund ist unser über 20-köpfiges RnD-Team (Research and Development), das neue Produkte entwickelt. Allein 2019 haben wir rund 2,5 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Wir denken längst über rein ergonomische Lösungen für besseren Schlaf hinaus in Richtung Sleep-Tech, erste Innovationen werden wir in diesem Jahr präsentieren. Wir werden Schlaf ganzheitlich auf ein neues Level heben.  

Das klingt nach einer extrem vielfältigen Spanne an Jobprofilen, die ihr im Team habt. Wie rekrutiert ihr?

Wir konzentrieren uns darauf, Stärken und Potenziale zu erkennen. Talent ist wichtiger als Erfahrung. Wir haben derzeit ca. 100 Stellen ausgeschrieben, dabei definieren wir den Bereich und skizzieren die Aufgaben. Doch es kommt häufig vor, dass wir eine Person super finden, sie dann allerdings eine andere Rolle übernimmt als geplant. Wir schätzen eine hohe Auffassungsgabe, das Hinterfragen bestehender Möglichkeiten und die Fähigkeit, à la minute zur Situation passende Lösungen zu finden.

Also Agilität in allen Bereichen. Wie sieht es in puncto Weiterentwicklung bei Emma aus?

Wir haben Country Manager, die als Praktikanten begonnen haben. Und die Person, die sich seit Kurzem um unsere strategischen Prio1-Themen kümmert, ist noch kein Jahr dabei, hat sich jedoch innerhalb kürzester Zeit enorm entwickelt. Also: Wer sich von „Learn. Grow. Make an impact” angesprochen fühlt – bitte direkt bewerben!

Wie sieht der Job-Alltag denn genau bei euch aus? Bei vielen Startups macht jeder alles – ist das bei Emma auch (noch) so?

Anfangs war das so. Seit unser Team die 100er-Marke überschritten hat, hat jeder im Team seinen Aufgabenbereich. Doch wenn Black-Friday vor der Tür steht oder wir in einem neuen Markt online gehen wollen, packen alle an und wir arbeiten teamübergreifend. Um „outside the box“ zu denken und die Herausforderungen der anderen besser verstehen zu können, haben wir die Emma Sleep University geschaffen.

Was ist die Emma Sleep University? Ein klassisches Modell zur Weiterbildung?

Stetiges Lernen ist bei Emma Teil der Unternehmenskultur und die Emma Sleep University (ESU) bietet allen die Möglichkeit, sich regelmäßig weiterzubilden. Wir haben über 20 verschiedene Module im Programm. Von Legal oder Finance Basics über Business Development zu Design Thinking. Worüber sich Viele freuen ist, dass bei uns knapp 60 Sprachen gesprochen werden (können) und wir Dank der vielfältigen kulturellen Hintergründe täglich Vorurteile aufbrechen. Auch der Bereich Forschung und Entwicklung spielt in der ESU eine entscheidende Rolle. Unsere Neurobiologin Verena gibt beispielsweise einen Kurs zum Einfluss von Schlaf auf unser Gehirn, unser Immunsystem und unsere Psyche. Weitere Kollegen aus dem RnD-Bereich binden alle konstant in die Entwicklung neuer Produkte ein. Die ESU ist ein Teil des Unternehmens und bindet alle ein, die Erfahrungen austauschen und sich gleichzeitig auch selbst weiterbilden wollen. Auch Dennis und ich laden hin und wieder alle ein, um unsere Learnings als Gründer mit dem Team zu teilen. Wie wichtig dieser Austausch ist, wisst ihr ja durch die Startup-Safari. Wir sind übrigens auch dieses Jahr wieder gerne dabei.

Du hast vorhin gesagt, „seit wir die 100er-Marke überschritten haben“. Das ist schon eine Weile her. Mittlerweile ist euer Team auf über 300 Personen gewachsen und Emma wurde im November 2019 als “Hessen Champion” in der Kategorie “Jobmotor” ausgezeichnet. Sind jetzt alle an Bord oder wie ist der Plan?

Wir freuen uns riesig darüber, dass das Land Hessen unser Engagement zur Schaffung neuer Arbeitsplätze schätzt. Das gibt Rückenwind, denn für die Unternehmensentwicklung hat das Gewinnen weiterer Talente höchste Priorität. Wir wollen das Team 2020 auf 400 Personen erweitern. Für diese Aufgabe nehmen sich das gesamte Management-Team und ca. zehn weitere Kollegen sehr viel Zeit. Jede Woche ist Recruiting-Friday und wir führen pro Monat ca. 300 Bewerbungsgespräche.

Da ist ja eine Menge los. Was steht noch ganz oben auf der Agenda für 2020?

Kurzfristig steht unser Umzug an. Wir bleiben Frankfurt treu, brauchen jedoch mehr Platz. In sechs Jahren sind wir von 14 auf 4.500 Quadratmeter gewachsen. Komm` gerne zur Einweihungsparty. Und ansonsten steht 2020 bei Emma unter dem Motto: Neue Leute. Neue Produkte. Neue Märkte.

Über Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH):

Emma – The Sleep Company ist ein inhabergeführtes Unternehmen und einer der am schnellsten wachsenden Anbieter für Matratzen- und Schlafsysteme mit Sitz in Frankfurt am Main. Das international agierende Sleep-Tech wurde 2013 von Dr. Dennis Schmoltzi und Manuel Müller gegründet. Zum Portfolio zählen das Direct-to-Consumer Startup Emma Matratzen, das innerhalb kürzester Zeit zu einem der Top 3 Bed-in-a-Box-Anbieter Europas wurde, sowie die starke Traditionsmarke Dunlopillo. Mit ihrer fundierten Expertise im Bereich Forschung und Entwicklung übersetzen sie materielle und technologische Fortschritte permanent in ihr hochwertiges Produktsortiment. Im September 2019 wurde die Matratze Emma One (90x200cm, hart) neuer Testsieger von Stiftung Warentest (Heft 10/2019) mit der Gesamtnote 1,7 (gut). Außerdem realisiert das über 300-köpfige Team fortlaufend innovative Konzepte in den Bereichen Prozessoptimierung sowie Vermarktung und Vertrieb. Erfolgstreiber des sehr agilen Firmenalltags sind ein ausgeprägtes, digitales Mindset, der Mut zu pragmatischen Lösungen und gelebte Diversität. 

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