Heute stellen wir euch myoact vor. 2025 hat das Frankfurter MedTech Startup unter anderem den Hessischen Gründerpreis in der Kategorie “Innovative Geschäftsidee” gewonnen.
Im Interview mit Co-Founder Simon Roth sprechen wir über Internationalisierung, die Zukunft in der Softwareentwicklung und darüber, was der Gewinn des Hessischen Gründerpreises für ihn und sein Team bedeutet.
Die aktuelle Bewerbungsphase für den Hessischen Gründerpreis #HGP26 läuft noch bis zum 10.05.2026. Mehr dazu im Artikel.
Stellt euch und euer Unternehmen kurz vor. Was bedeutet der HGP 2025 in der Kategorie Innovative Geschäftsidee für euch?
myoact ist ein Frankfurter MedTech-Unternehmen, das EMG-basierte neuromuskuläre Diagnostik für Physiotherapie, Orthopädie und Sportmedizin anbietet. Unsere Lösung macht Muskelaktivität objektiv messbar — dort, wo bisher vor allem Erfahrungswerte und Palpation den Alltag bestimmt haben. Es ist quasi das EKG des Muskels. Der Gewinn in der Kategorie Innovation bedeutet für uns vor allem externe Bestätigung, dass unser Ansatz als echte Innovation im MedTech-Bereich wahrgenommen wird — nicht als inkrementelle Verbesserung bestehender Verfahren. Gerade im Gesundheitswesen, das konservativ und evidenzgetrieben ist, ist dieser Vertrauensvorschuss enorm wertvoll. Und ganz ehrlich: Nach Jahren intensiver Entwicklungsarbeit tut so eine Anerkennung dem ganzen Team auch einfach gut. Wir sind wirklich sehr glücklich mit dieser Auszeichnung.
Wie hat sich der Sieg in den darauffolgenden Monaten ausgewirkt?
Die mediale Sichtbarkeit hat seit November 2025 deutlich zugenommen, und das hat uns konkret geholfen, unsere Brückenrunde zu schließen — wir konnten zwei Business Angels gewinnen, die ohne den Preis vermutlich nicht auf uns aufmerksam geworden wären. Besonders gefreut hat uns, dass die Taunus-Sparkasse, die im Finale klar signalisiert hatte, Startups aktiv unterstützen zu wollen, diesem Versprechen in Zusammenarbeit mit der KfW auch nachgekommen ist. Das ist im aktuellen Umfeld keine Selbstverständlichkeit: Die Investitionslage in Deutschland zwingt Tech-Startups wie uns zunehmend dazu, auch in den USA nach Kapital zu schauen — was wir eigentlich nicht wollen, aber realistisch prüfen müssen. Umso mehr rechnen wir es regionalen Partnern an, wenn sie Wort halten.
Was steht als nächstes auf eurer Roadmap?
2026 liegt unser Fokus auf drei Bereichen. Wir entwickeln das Produkt konsequent in Richtung KI-Unterstützung weiter, um Diagnostik und Therapieplanung noch präziser und skalierbarer zu machen. Parallel arbeiten wir an einem B2C-Produkt mit Wearable-Ansatz — das läuft im Rahmen eines ESA-Programms. Und drittens steht die Internationalisierung an: Wir haben ernstzunehmende Anfragen aus den USA, sowohl von Profisportvereinen als auch im Business Development, und werden dieses Jahr voraussichtlich auf einer der großen Trainermessen in den USA vertreten sein. Der Schritt über den Atlantik kommt damit schneller, als ursprünglich geplant — aber der Markt ruft, und dem folgen wir.
Warum sollen sich Gründer:innen für den HGP bewerben, und welchen Tipp gebt ihr?
Wir würden jeder Gründerin und jedem Gründer empfehlen, sich zu bewerben — allein der Bewerbungsprozess zwingt einen dazu, das eigene Geschäftsmodell sauber auf den Punkt zu bringen, und das ist in jeder Phase wertvoll. Unser Tipp: Die Zahlen müssen stimmen, und die Geschichte dahinter muss nachvollziehbar sein — beides, nicht eins von beidem. Gerade in einem Umfeld, in dem sich vieles schnell verändert, lohnt es sich, ehrlich zu reflektieren, welche Annahmen des eigenen Modells wirklich tragfähig sind und welche nicht. Was am Ende überzeugt, ist eine nachhaltige Geschichte hinter den Gründern und dem Startup — kein Verkaufsnarrativ, sondern ein Ansatz, der auch in fünf Jahren noch Bestand hat.
Wie seht ihr die Zukunft in der Softwareentwicklung?
Ein reines Softwareprodukt sehen wir kritisch — und sind froh, dass unsere Software auf einer Sensortechnologie aufsetzt und damit auf echten, patientengenerierten Daten basiert. Myoact konzentriert sich darauf, diese Daten so zu verarbeiten, dass sowohl der Behandler als auch der Patient einen unmittelbaren Mehrwert daraus ziehen — und das funktioniert nur, weil unsere Datengrundlage und die Interpretationslogik dahinter aus über zehn Jahren praktischer klinischer Erfahrung gewachsen sind. ; gefragt ist die Kombination aus dem klinischen Urteil des Behandlers und einer Technologie, die dieses Urteil objektiviert und schärft. Wir glauben an ein Hybridmodell aus Mensch und Technologie — und sind überzeugt, dass wir mit myoact genau diesen Weg konsequent umgesetzt haben und weiter entwickeln werden. Die KI braucht Daten, um einen echten Mehrwert zu kreieren. Wir bauen die Datengrundlage dafür.
Bewerbung zum Hessischen Gründerpreis 2026
Was bedeutet es, den Hessischen Gründerpreis zu gewinnen? Es ist mehr als eine Urkunde oder eine Trophäe – es ist ein Gütesiegel für deine Gründung oder Unternehmensnachfolge. Ein Zeichen dafür, dass du eine hochkarätige Jury überzeugt hast. Und eine Auszeichnung, die Türen öffnen kann!
Jetzt bis 10.05.2026 bewerben: hessischer-gruenderpreis.de/bewerbung
Weitere Beiträge
STATION ist seit 2021 Medienpartner des Hessischen Gründerpreises, unter dem folgenden Link sind die Vorstellungen der Sieger der letzten Jahre zum nachlesen.
