Finanzierungsmöglichkeiten für Startups
Sebastian Schnell, Investmentmanager von BMH

In der Serie BBB – BMH Business Bootcamp – beschäftigt sich das Team der BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH, mit sämtlichen (Finanzierungs-)Themen, die die Gründer- und Investorenszene beschäftigen: Ein Business Bootcamp für Startups, angefangen von der Standortwahl – über Finanzierungsformen und Personalauswahl – bis hin zur Vorbereitung auf die nachfolgenden Finanzierungsphasen.  Um Gründern die Wahl der passenden Finanzierungsform zu erleichtern, geht es im heutigen Teil des BMH Business Bootcamp um die verschiedenen Finanzierungsoptionen sowie deren Vor- und Nachteile: Venture Capital, Förderprogramm oder doch Crowdfunding? – Die Finanzierungsmöglichkeiten für Startups sind vielfältig. Dabei gilt jedoch: Geld ist nicht gleich Geld! Der Gastautor ist Sebastian Schnell.

Eigenkapital

Die erste und bedeutendste Finanzierungsform für Startups in der Frühphase bilden Eigenkapitalbeteiligungen in Form von Venture Capital (VC). Bei dieser Finanzierungsform tritt der Geldgeber als direkter Gesellschafter des Startups auf. Er erhält keine Sicherheiten und partizipiert mit allen verbundenen Chancen und Risiken an der Unternehmensentwicklung. Aufgrund eben dieser Risiken haben VC-Investoren eine hohe Renditeerwartung und investieren ausschließlich in Startups, bei denen sie eine profitable Exitmöglichkeit sehen. Trotz dieses Investorenanspruchs ist der Zugang zu Eigenkapital gerade in der Frühphase leichter als der zu Fremdkapital. Zudem bietet Venture Capital Startups den Vorteil, dass sie keinen Cashflow-beeinträchtigenden Kapitaldienst erbringen müssen. Allerdings sollten sich Gründer darüber im Klaren sein, dass jeder Investor mit seinem Kapital Unternehmensanteile und damit Mitbestimmungsrechte erwirbt.

Wenn sich Startups für diese Finanzierungsform entscheiden, sollten sie sich daher genauestens mit den in Frage kommenden Investoren auseinandersetzen. Hierbei gilt es zunächst eine Grundsatzentscheidung zu treffen: privater oder staatlicher VC-Investor? Während beide Gruppen meist über ein sehr gutes Netzwerk verfügen, haben private VCs in der Regel einen größeren Finanzierungsspielraum und arbeiten sehr eng mit dem Gründerteam zusammen. Allerdings haben sie meist kürzere Haltefristen sowie eine höhere Renditeerwartung als staatliche VCs. Letztere genießen einen großen Vertrauensfaktor, der auch dem Startup zugutekommt. Innerhalb der Gruppe privater VCs gibt es dann wiederum weitere Unterschiede. Beispielsweise bieten Coprorate VCs neben Kapital in der Regel einen direkten Marktzugang, während Business Angels den Vorteil von Smart Money mit sich bringen – jedoch bei einer meist kleineren Ticketgröße. Die Wahl sollte auf Basis der individuellen Zielsetzung und Situation des jeweiligen Startups getroffen werden.

Die am häufigsten genutzte Alternative zur direkten Eigenkapitalbeteiligung stellen Wandeldarlehen (bei der BMH stille Beteiligungen mit Wandlungsoption) dar. Der Grundgedanke hinter dieser Variante ist, dass zum Zeitpunkt des Wandeldarlehens noch keine Kapitalerhöhung durchgeführt werden muss, was Zeit und Geld spart. Auch wird der Firmenwert noch nicht fest definiert, sondern lediglich in Relation zu einem Firmenwert einer zukünftigen Runde gesetzt. Durch die Parameter Laufzeit, Zinssatz, Discount, Conversion Event und Cap-Wert kann die Finanzierung passgenau auf das jeweilige Startup zugeschnitten werden. Der Cashflow des Startups wird bei dieser Finanzierungsform nicht beeinträchtigt, da Zinsen bis zu einem Wandlungszeitpunkt gestundet werden.

Mezzaninekapital

Bedeutend weniger weit verbreitet ist bei Startups Mezzaninekapital, beispielsweise in Form klassischer stiller Beteiligungen. Dieses bietet den großen Vorteil, dass die Eigenkapitalquote erhöht und somit der Zugang zu zusätzlichem Fremdkapital erleichtert wird. Da Startups jedoch von Beginn an Zinsen zahlen und somit eine Kapitaldienstfähigkeit zeigen müssen, gestaltet sich der Zugang zu dieser Finanzierungsform für Startups schwieriger. BMH beispielsweise bietet Startups in der Frühphase sowohl Eigenkapital in Form von offenen Beteiligungen sowie stillen Beteiligungen mit Wandlungsoption an, insbesondere über die Hessen Kapital Fonds. Vereinzelt unterstützen wir auch mit Mikromezzanindarlehen bei kleineren Gründungsvorhaben.

Fremdkapital und Förder,-/ Zuschussprogramme

In ihrer üblichen (Kredit-)Form bieten sich Fremdkapitalfinanzierungen für Startups nur selten an. Neben dem risikobedingt erschwerten Zugang ist Fremdkapital meist an Sicherheiten wie Bürgschaften seitens der Gründer gebunden. Für Jungunternehmer bedeutet dies ein erhöhtes persönliches Risiko. Die Wahrung ihrer Entscheidungsfreiheit bezahlen die Gründer zudem mit einer erheblichen Belastung ihres Cashflows.

In der Form von Förderprogrammen der EU, des Bundes oder der Länder kann Fremdkapital allerdings eine Finanzierungsmöglichkeit für Startups darstellen. Beispiele dafür sind der ERP Gründerkredit der KfW oder auch der Innovationskredit der WIBank, die mit einer Haftungsfreistellung ausgestattet sind und über die Hausbank beantragt werden. Allerdings sind über die Hausbank beantragte Förderprogramme für Gründer häufig mit persönlichen Bürgschaften verbunden. Die WIBank bietet übrigens eine kostenlose Beratung zu Fördermitteln an. Neben klassischem Fremdkapital gibt es zahlreiche weitere Alternativen in Form von Zuschussprogrammen, die Unternehmen in einer frühen Phase mit Kapital unterstützen. In Hessen beispielsweise können Startups unter anderem auf die Förderprogramme Distr@l und LOEWE oder die diversen Programme der WIBank für Gründungs-, Wachstums- und Innovationsvorhaben zurückgreifen. Förder- und insbesondere Zuschussprogramme sind für Startups deshalb äußerst attraktiv, weil das Kapital nicht zurückgezahlt werden muss und keine Verwässerung eintritt.

Alternative Finanzierungsformen

Eine weitere Option können Equity Crowdfunding und Crowdinvesting darstellen. Hierbei wird einer Vielzahl von Klein- und Kleinstinvestoren der Erwerb von virtuellen Unternehmensanteilen über eine Internetplattform ermöglicht. In der Regel nimmt die Ausgestaltung die Form partiarischer Nachrangdarlehen mit einer eigenkapitalähnlichen Vergütung an. Die verwandten Finanzierungsformen bieten den Vorteil, dass Gelder eingesammelt werden können, die andere Investorengruppen nicht zur Verfügung stellen möchten. Auch ist eine erfolgreiche Crowdfinanzierung ein Beleg für die Tauglichkeit der Geschäftsidee sowie die Größe der Zielgruppe – und damit ein hervorragendes Argument in künftigen Investorengesprächen. Die Kehrseite dieser Finanzierungsform ist allerdings, dass eine groß angelegte und kostspielige Crowdmobilisierung durchgeführt werden muss.

Neben all diesen Optionen gibt es für Startups auch noch einige weitere Finanzierungsformen, die hierzulande jedoch bisher von untergeordneter Bedeutung sind. Zu nennen sind hierbei vor allem ICOs, Media for Equity, Inkubator- und Accelerator-Programme sowie Venture Debt Loans in späteren Unternehmensphasen.

Die ersten Schritte sind getan – die zweite Finanzierungsrunde folgt. In der nächsten Ausgabe des BBB – BMH Business Bootcamp geben wir einen Überblick über die Phasen eines Startups und wann es Zeit für die nächste Finanzierungsrunde ist, bzw. welche Voraussetzungen hierfür überhaupt erst erfüllt werden müssen.

Über die BMH

Die BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH mit Sitz in Wiesbaden wurde 2001 gegründet und ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba). Als mittelständische Beteiligungs- und Venture-Capital-Gesellschaft bündelt die BMH die öffentlichen Beteiligungsinteressen und Finanzierungsinstrumente für Frühphasen-, Wachstums- und Mittelstandsunternehmen in Hessen. Die BMH verwaltet derzeit sieben Beteiligungsfonds mit einem investierten Beteiligungsvolumen von insgesamt rund 125 Millionen Euro.

Weitere Beiträge von BBB – BMH Business Bootcamp

Hier kommt ihr zu weiteren Beiträgen der Kolumne von der BMH! In der letzten Ausgabe redet Dr. Steffen Huth über die Bedeutung der Standortwahl bei einer Unternehmensgründung.

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