VinoKilo aus Mainz startet Crowdfunding-Kampagne
Robin Balser hat Vinokilo im Jahr 2016 gegründet.

Eigentlich hat Robin Balser allen Grund zum Feiern: Kürzlich hat das Forbes Magazin ihn zu einem der Top30 under 30 Social Entrepeneurs in Europa ausgezeichnet. Danach ist ihm im Moment aber gar nicht zu mute, berichtet er uns im Gespräch. VinoKilo hat nämlich gerade eine Startnext Crowdfunding-Kampagne gestartet, um mindestens 65.000 Euro einzusammeln. Eine der in Kürze umgesetzten Maßnahmen, um die Herausforderungen der Krise zu stemmen.

Die Kampagne ist kreatives Crowdfunding: Neben Unterstützungsangeboten wie “Ein Tag hinter den Kulissen”, “Vinokilo Membership” und “Dinner mit dem Founder” kann das Kilo Kleidung nun einfach früher gekauft werden. “Buy your kilo now, shop later“, fasst Balser es zusammen. Im Schnitt kommen zu VinoKilo 1500 Leute pro Event, die jeweils ein Kilo Kleidung kaufen. Wenn sich also 1000 Leute an der Kampagne beteiligen würden, wäre das schon ein Erfolg.

Online-Verkauf vervierfacht

Parallel dazu liegt der Fokus jetzt auf dem Online-Verkauf, ganz nach Balser’s Motto “where the attention goes, energy flows”. „So konnten wir den Umsatz aus unserem E-Commerce in wenigen Tagen vervierfachen und machen jetzt über 100.000 Euro pro Monat damit. Das reicht aber bei weitem nicht“, erzählt Balser uns. Im Zuge der Corona-Pandemie wurden alle Veranstaltungen von VinoKilo abgesagt. Für das noch junge Unternehmen aus Mainz ein wirtschaftlicher Super-GAU. VinoKilo sucht benutzte Kleidung per Hand von Sammlern aus, führt falls nötig kleine Reparaturen durch und verkauft die Kleidung dann zum Kilopreis auf Popup-Events in ganz Europa. „Wir geben der Kleidung ein neues Leben“, so Balsers. Daher lägen 90% der Kosten auf den Events, also gut 150.000 Euro Fixkosten pro Monat. Diese Kosten bleiben, während die Einnahmen wegfallen.

Natürlich habe VinoKilo auch schon versucht, über andere Mittel an die dringend benötigte Liquidität zu kommen – zum Beispiel einen der viel besagten KFW-Kredite. „Ich frage mich auch, warum das mit den Krediten nichts wird“, wundert sich Balser zu dem Thema. Aus seiner Sicht ist es so: Die Banken treffen keine anderen Entscheidungen, es ist nur mehr Geld im Topf. So würden zum Beispiel drei Jahre in Folge positive Jahresbilanzen gefordert – so wie vor der Krise auch. Für junge Unternehmen folglich ein großes Hindernis: „Das ist frustrierend. Man hätte so viel mehr Impact schaffen können, wenn man zum Beispiel Kredite an Klimaziele oder soziale Aspekte bindet, denn Startups sind die Zukunft”.

Staatliche Hilfen brauchen zu lange

Bei aller Kritik muss auch gesagt sein: Das Startup-Programm soll bald anlaufen. Zu spät, ärgert sich Balser: „Ich habe da so meine Zweifel. Viele meiner Freunde zum Beispiel in London haben schon Soforthilfen bekommen, ganz unbürokratisch. Wir hingegen haben noch nicht einmal das Kurzarbeitsgeld bekommen, obwohl wir mit die Ersten waren, die es beantragt haben. Der gesamte Prozess kann sechs bis sieben Wochen dauern.“ In der Verzweiflung habe Balser mit seinem Team sogar an die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) geschrieben. Eine Antwort stehe bis heute aus. Mitte März hatte Matz noch im Mainzer Stadtmagazin Sensor verlauten lassen, dass eine schnelle Hilfe jetzt besonders wichtig sei. „Wir stehen an der Seite der Mainzer Unternehmen und werden diese als erster Ansprechpartner in schwierigen Zeiten unterstützen“, heißt es auf der Website von Sensor.

“Das ganze Team kämpft”

Die Stimmung sei bei alle der Unsicherheit aber gut, trotz der Umstrukturierungen. So wurden durch den verstärkten E-Commerce die Aufgaben umgeschichtet: „Wir haben jetzt Eventmanager, die Kleidung steamen.“ Insgesamt habe das gut geklappt. Die Belegschaft zöge mit. Auch, weil das Team in der Vergangenheit gut geführt worden sei: „Viele haben gesagt ‚Hey, es geht auch um meine Zukunft. Ich setzte mich fürs Unternehmen ein‘. Aber klar, das ist nicht immer leicht. Wir haben leider einige auf dem Weg verloren. Für manche war es auch einfach eine gute Gelegenheit, jetzt weiterzuziehen.“ Im Moment würden deswegen keine neuen Leute eingestellt. Mit der Belegschaft werde sich außerdem regelmäßig  ausgetauscht: „Wir wollen niemanden mit Geldsorgen nach Hause schicken. Da fühlt man sich auch verantwortlich“, so Balser. 

Crowdfunding soll VinoKilo Zeit verschaffen

In den nächsten Wochen wird VinoKilo den E-Commerce weiter vorantreiben und versucht, durch das Crowdfunding ein bis drei Monate Liquidität einzufahren. Balser ist voller Energie. Er versprüht Hoffnung und man will glauben, dass alles funktionieren wird: Die Events voraussichtlich ab September unter Auflagen langsam angefahren werden. Die Forbes-Ernennung fällt dabei eben unter den Tisch: „Das ist gar nicht so wichtig, dass die jetzt untergegangen ist. Das kam raus an dem Tag, als klar war, dass wir unsere Events nicht mehr durchführen können. Fast schon ironisch, dass das an meinem persönlichen Tiefpunkt kam“, schmunzelt Balser.

Noch mehr über VinoKilo lesen? Hier gehts zu 5 Fragen an … VinoKilo.

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