Africa GreenTec startet Crowdinvesting – “Wir haben eine Bringschuld“
Torsten und Aida Schreiber haben das Startup 2015 gegründet.

In drei Jahren eine halbe Millionen Menschen in der Subsahara-Region mit Strom versorgen: Bei diesem Ziel soll Africa Greentec jetzt auch eine Crowdinvesting-Kampagne helfen. Das Startup aus Hainburg baut sogenannte „Solartainer“ auf. Das sind containerartige Anlagen, die Solarstrom produzieren – so werden Kleinunternehmer:innen gefördert und CO2 gespart. Wir haben mit dem Founder und CEO von Africa GreenTec darüber gesprochen, warum bezahlbarer Zugang zu Strom so wichtig für die Region ist und warum Europäer:innen eine Mitverantwortung an der aktuellen Situation haben.

„Serial Sustainable Entrepreneur ‚Der den Strom bringt‘“, steht auf der LinkedIn-Seite von Schreiber. Das fasst tatsächlich gut zusammen, was Africa GreenTec tun will: Nachhaltigen Strom in afrikanische Dörfer bringen. An 20 Standorten in Mali und Niger stehen schon ihre Solartainer, und es sollen noch viel mehr werden: Bis 2023 sollen sie eine halbe Millionen Menschen, bis 2030 sogar drei Millionen Menschen, mit Strom versorgen. „Eine Million für jedes meiner eigenen Kinder“, sagt Schreiber. Deswegen hat Africa GreenTec jetzt ein Crowdinvesting-Projekt gelaunched. Schon ab 250 Euro kann man sich fortan beteiligen.

Das Ziel: Insgesamt fünf Millionen Euro

Warum jetzt das Crowdfunding? Das habe mehrere Gründe, erklärt Schreiber. Crowdinvesting sei schon immer Teil der DNA von Africa GreenTec gewesen, die erste Anlage auch so finanziert worden. Zudem konnten sie nicht an den Coronahilfen teilhaben – die KFW bewilligt Hilfen nur für Unternehmen, die Ende 2019 Gewinne vorweisen können: „Wir als Sozialunternehmen haben Gewinne so nicht“. Nach dem Eigenfunding, insgesamt fünf Millionen Euro sind das Ziel, sollen Unterstützer:innen auch gezielt in verschiedene Projekte investieren können.

So sieht eine ImpactSite von Africa Greentec aus.

Derzeit seien rund 600 Mio. Menschen in Subsahara Afrika ohne Strom. Ein immenser Nachfragemarkt also, dessen Anbindung an ein Stromnetz nicht zuletzt den Menschen vor Ort hilft. Dabei mangele es nicht, im Gegensatz zum medial vermittelten Bild, an der Fähigkeit zu zahlen. Es fehle vielmehr der Wille, zu investieren. „Kleinunternehmer:innen müssen heute ein bis zwei Euro je kWh für Strom aus Dieselgeneratoren bezahlen. Wir schaffen tagsüber 22 und abends 38 Cent pro Kilowattstunde. Die Kaufkraft ist also da, es fehlt nur an der Zwischenfinanzierung“, sagt Schreiber.  Und genau da setzt Africa GreenTec an.

Das Angebot richtet sich an den Mittelstand im Dorf. Zum Beispiel an Handwerker, die den Strom zum Arbeiten brauchen. Oder an medizinische Einrichtungen, die den Strom zum kühlen von Medikamenten benötigen. Die Rechnung: Die Stromversorgung hilft den Unternehmer:innen, zu wachsen. Dadurch profitieren letztlich alle. Trotzdem sei immer ein Risiko dabei, Container könnten zum Beispiel Unruhen und Vandalismus zum Opfer fallen – bisher sei aber an noch keinem Container etwas passiert.

Africa Greentec dokumentiert seinen Impact

Gemessen wird der Einfluss der Solartainer übrigens über unabhängige Partner, unter anderem Partneruniversitäten wie die TU München: 24 975 werden Stand heute mit Strom versorgt, 2080 Tonnen CO2 wurden schon eingespart und 419 Kleinstunternehmen haben sich gegründet. Die Solartainer werden über zwei Wege ermöglicht: Africa GreenTec betreibt die Anlagen selbst in einer Betreibergesellschaft und refinanziert sich über die Stromeinnahmen. Oder eine genossenschaftlich organisierte, dorfeigene Betreibergesellschaft kauft die Technologie und zahlt sie ab. Das Risiko dabei sei relativ gering, schließlich seien die Solartainer mobil und könnten damit abgezogen werden, auch wenn das noch nie vorgekommen sei.

Insgesamt laufe das Projekt sehr gut, erzählt Schreiber. Jeden Tag würden mehrere Bewerbungen von jungen Menschen bei dem Startup landen, während der Corona-Krise konnte Africa GreenTec sogar das Personal in Deutschland fast verdoppeln.

Die Standorte von Solartainern in der Sahel-Zone.

“Es geht nicht nur um Dürre, Krieg und Korruption”

Trotzdem „sind deutsche Investor:innen doch sehr konservativ. In anderen Ländern wie Skandinavien und Großbritannien steht man Investitionen nach Afrika sehr viel offener gegenüber. Deswegen wollen wir auch dort unsere Suche nach Partnern ausbauen“, sagt Schreiber. Das liege auch an der medialen Vermittlung von Entwicklungshilfe: „Es geht meist um Dürre, Krieg, Korruption. Das gibt es auch, aber nicht nur. Bei den Zusammenhängen wird oft nicht das große Ganze gesehen, sondern reduziert auf stereotypische Themen.“

Deutsche Investor:innen würden demnach sehr oft darauf schauen, wie sie auf dem Kontinent Geld verdienen können. Das sei die falsche Perspektive. Vielmehr müsse man in Europa darüber nachdenken, was man angerichtet habe und worauf der aktuelle Wohlstand fuße: „Wir haben den Kontinent über Jahrzehnte ausgebeutet und versäumt, faire Preise zu bezahlen. Wenn wir das verstehen, ändert sich automatisch das Bild. Wir haben dann eine Bringschuld.“

Über Africa Greentec

Das Sozialunternehmen wurde von Aida und Torsten Schreiber gegründet. Das Ziel ist es, eine der wirkungsvollsten, umweltfreundlichsten, erneuerbaren, dezentralisierten Energie-, Wasser- und Kommunikationslösungen für den globalen Süden bereitzustellen. Das Ehepaar hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens drei Millionen Menschen zu Lebzeiten mit Strom und sauberen Wasser zu versorgen.

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