Gründungsberatungen wenden sich in offenem Brief an die Politik: „Kleinstunternehmer:innen wurden vernachlässigt“
Vielerorts blieben die Betriebe während der Corona-Krise geschlossen. Foto: Anastasiia Chepinska.

18 führende Gründungsberatungen in Deutschland haben sich in einem offenen Brief an die Politik gewandt. Ihre Position: Kleinstunternehmer:innen (KUs), also Selbstständige bis zu neun Mitarbeiter:innen und Soloselbstständige, wurden während der Corona-Krise vernachlässigt. Ihre Forderung: bessere Hilfsmaßnahmen, weniger Bürokratie bei bestehenden Hilfen und bessere Rahmenbedingungen für KMUs. Kristina Hensch vom Social Impact Lab Frankfurt hat maßgeblich an dem Brief mitgewirkt. Wir haben mit ihr über die Initiative gesprochen.

Es hallt in der Leitung, im Hintergrund hört man Arbeitsgeräusche. Das Social Impact Lab zieht gerade um in die Villa Gründergeist. Obwohl viel los ist, nimmt sich Hensch Zeit für ein Telefonat – ihr Anliegen ist ihr wichtig, schließlich arbeiten rund 18,5 Prozent aller Arbeitnehmer:innen in Deutschland in KUs. Doch gerade die wurden vergessen, findet Hensch: „Wir wollen mit dem Brief ein besseres Verständnis und Alarmbereitschaft für diese wichtige Unternehmer:innen-Gruppe bei der Politik erreichen.“

Gründungsberatungen: Viele Hilfen nicht angekommen

Der Zusammenschluss aus 18 Gründungsberatungen kritisiert, dass viele Hilfen nicht angekommen seien. Für die vielbesagten KFW-Kredite beispielsweise müssen Gewinne aus den Vorjahren nachgewiesen werden. Wir haben über VinoKilo berichtet, die das gleiche Problem hatten. Viele KUs würden keine Gewinne ausweisen, weil sie mit den Überschüssen aus den Unternehmen gerade ihren Lebensunterhalt decken könnten. Diese seien oft höher als die Betriebsausgaben. Gerade junge Startups seien betroffen. „Sie haben viel Geld in die Gründung investiert und oft noch keine Gewinne, aber dafür hohe Lebenserhaltungskosten, wie z.B. die Krankenversicherung. Solche Kosten sind in den Corona-Hilfen nicht berücksichtigt.“

In Frankfurt seien es zum Beispiel die hohen Mieten ihrer privaten Wohnungen, die den Unternehmer:innen trotz in Anspruch genommener Hilfen das Genick brechen. Denn die privaten Mieten würden nicht als Betriebskosten gezählt und somit von existierenden Hilfen nicht abgedeckt.

„Wirtschaftliche und kulturelle Vielfalt gehen verloren“

 „Die Hilfen müssen so gestaltet werden, dass man nicht zwangsweise auf ALG II zurückgreifen muss“, fordert Hensch weiter. Entgegen der Ankündigung seien häufig Vermögensprüfungen durchgeführt worden. Viele würden aus Sorge, erst ihre Altersvorsorge aufbrauchen zu müssen, die Hilfe also gar nicht erst beantragen. Die Grundsicherung beläuft sich derzeit auf 432 Euro für eine erwachsene alleinstehende Person. Generell, so Hensch, brauche es bessere Rahmenbedingungen. Auch wenn es um die Renten- und Krankenversicherung von Kleinstunternehmer:innen und Solo-Selbstständigen gehe.

Wenn man KUs nicht helfe, „dann geht ganz viel kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt verloren und die Arbeitslosenzahlen werden steigen“, sagt Hensch. Die Konsequenz: Die Gründungsbereitschaft in Deutschland würde absterben.

Den ganzen Brief mit allen Forderungen findet Ihr hier.

Über das Social Impact Lab

Social Impact entwickelt seit 30 Jahren Projekte zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Im Fokus stehen dabei faire und nachhaltige Lösungen im Sinne von Social Entrepeneurship. Das Social Impact Lab Frankfurt als Netzwerkstandort bietet auch einen Co-Working Space und dient als Event-Location.

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