„Wir haben in Frankfurt alles bekommen, was möglich war“ – Interview mit fintus-Gründer Benjamin Hermanns
Die fintus-Gründer: Tobias Rentsch und Benjamin Hermanns.

„Jetzt ist alles vorbereitet, um in 2020/2021 externes Kapital zu akquirieren und europaweit zu wachsen“, freut sich fintus-Gründer Benjamin Hermanns in seinen neuen Büroräumen und fasst damit schon zusammen, wie 2019 für den das Fintech-Unternehmen fintus war: turbulent und erfolgreich. Mit uns hat Hermanns über fintus, seine Pläne für 2020/2021, die Covid-19-Krise und die Anfänge von fintus gesprochen.

Einfach gesagt digitalisiert fintus Prozesse im Bankengeschäft. Wiederkehrende Aktionen entfallen und die Kommunikation zwischen Berater und Kunden wird so entlastet und Entscheidungen automatisiert. „Wenn du einen Kredit beantragst, wird meistens ein Kundenberater involviert, mit dem du 5 – 10 Kontakte hast. Wir bieten eine Plattformlösung, die den gesamten Prozess automatisiert – es geht dabei eigentlich nur um Datentransformation in digitale Workflows“, erklärt Hermanns. Der Name fintus sei übrigens beim gemeinsamen Äpplertrinken entstanden, nachdem beauftragte Agenturen keinen passenden Namen finden konnten: „Fin- steht für Fintech und -tus heißt es, weil wir ein Ende brauchten, das ist alles“, erklärt Hermanns schmunzelnd. Wichtig dabei sei, dass die Banken kein Personal abbauen , sondern vielmehr wachsen und sparen wollen – deswegen könne der Mensch im besten Fall aus den einfachen und repetitiven Prozessen ausgeschlossen werden.

Europaweit wachsen

fintus habe jetzt in 2020 endlich die Sicherheit und Plattform, um europaweit zu wachsen. Im vergangenen Jahr konnten große Kunden, Partner wie z.B. SAP gewonnen und die Strukturen weiter verfestigt werden. So sei jetzt der Weg basierend auf der fintus Suite in der Version 2.0 seit 2019 für Europa frei. Dafür will fintus eine siebenstellige Finanzierungsrunde abschließen, auch wenn das nicht leicht werde: „Wir sprechen Investoren an, die ein sehr spezielles Profil haben. Daher suchen wir neben Deutschland auch in Großbritannien und Frankreich“, so Hermanns weiter. Die Covid-19-Krise hat dabei die Situation nicht unbedingt vereinfacht. 

Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren mehrfach vergrößert und  mittlerweile 25+ Mitarbeiter. Seit der Gründung 2016 waren Hermanns und sein Mitgründer Tobias Rentsch erst im TechQuartier und dann bei WeWork. Ende 2019 war es dann Zeit für eigene Büroräume. Vor der Gründung haben Rentsch und Hermanns zusammen in dem Familienbetrieb von Benjamin gearbeitet und gemerkt, dass sie zusammen viele Geschäftsprozesse digitalisieren könnten. Die Idee für fintus war geboren: Hermanns zuständig für das Betriebswirtschaftliche, Rentsch für das Technische.

Mit 20 das erste Startup 

fintus ist Hermans dritte Selbständigkeit. Schon mit 20 hat er ein Unternehmen gegründet: Mit einem Göttinger Investor hat er ein Gerät entwickelt, das radiologische Bilddaten in druckbare Bilddaten umgewandelt hat. Es sei gut gelaufen, dann seien dem Investor jedoch die Mittel ausgegangen – und Hermanns Unternehmen geriet in Schieflage: „Das war eine heilsame Erfahrung. Ich war ein Nerd, der Anfang 20 zu viel erreicht hatte, und plötzlich nicht mal mehr den Firmenwagen betanken konnte“.

Von der Kleinstfirma zum Scale-up 

Durch den starken Zuwachs an Personal seien Hermanns und Rentsch oft in der Rolle von Coaches, die ihre Mitarbeiter unterstützen, jedoch noch zu oft selbst bis in die Nacht in operativen Aufgaben verhaftet. „Die Herausforderung ist eigentlich, sich von einer Manufaktur in eine Systemgastronomie zu entwickeln“, erklärt Hermanns. Mit den neuen Mitarbeitern kämen auch neue Herausforderungen: längere Abstimmungsprozesse, aktive Diskussionskultur, willkommene Ideen neuer Mitarbeiter und auch Abgänge von Kollegen. 

Frankfurt bleibt Heimat für fintus

Trotzdem sei fintus in Frankfurt weitgehend unbekannt, findet Hermanns: „Uns kennt fast niemand hier, obwohl wir eines der wenigen seit 2020 profitablen FinTechs sind und uns weitestgehend aus Eigenmitteln finanziert haben. Das Netzwerk in Frankfurt ist für uns weniger relevant, weil wir größere Institute bis dato nicht ansprechen. Mit den top 10 Banken führen die Gespräche selten zu mehr als Lippenbekenntnissen. Unsere Zielgruppe sind eher mittelständische und innovative Banken.“

Frankfurt bleibe dennoch die Heimat von fintus. Hermanns ist seit zehn Jahren Wahlfrankfurter, fühlt sich wohl hier: „Wir haben alles bekommen was möglich war. Ich war selbst an der Frankfurt School Of Finance and Management, die Wirtschaftsbank Hessen hat uns vor anderthalb Jahren einen guten Sprung mit Fremdkapital gegeben und die Stadt tut vieles zur Aufwertung der Region.“ Dazu komme die gute Anbindung an den Flughafen. Frankfurt sei einer der besten Standorte, um zu gründen.

Weil sie so von der Region profitiert haben, wollten die Gründer auch etwas zurückgeben

fintus hat zusammen mit der Frankfurt School of Finance and Management den  “Maintech Startup Summit” und ins Leben gerufen und investiert so 5000 – 10 000 Euro pro Jahr in junge Startups aus der Region. Gleichzeitig sei das aber auch ein Kundenevent – Kunden und Startups kämen ins Gespräch, aus diesen Beziehungen könnten dann neue Geschäftsbeziehungen wachsen, so Hermanns: „Wir wollen ein Ökosystem aus Freunden aufbauen. Wir haben ja alle nur ein Ziel: Es geht nicht darum, Bestehendes abzulösen, sondern es zu transformieren. Dafür sind Fintechs da. Und wenn unsere Freunde aus der Region Schnittstellen mit unseren Kunden haben, umso besser“.

Klar, dass bei so viel fintus nicht viel Freizeit bleibt. Hermanns wollte daher das erste mal seit drei Jahren in den Urlaub – zum surfen und Yoga in Portugal. Dann kam die Covid-19-Krise. fintus hat binnen kürzester Zeit Banken bei ihren individuellen Angeboten für ihre Kunden unterstützen müssen – und fintus war schlagartig profitabel. Das fintus-Team ist dabei über sich hinausgewachsen und wurde von den Kunden vielfach gelobt. Die standardisierte Software–Lösung fintus Suite hat sich auch in der Krise als Plattform für eine vollständige Automatisierung von Prozessen bewiesen.

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